Spielzeiteröffnung Berliner Ensemble "Abschied" als Auftakt
Claus Peymann, seit 1999 Leiter des Berliner Ensemble im Theater am Schiffbauerdamm, zollt dem Theatergründer Bertolt Brecht zur Eröffnung der neuen Spielzeit Tribut. In den Räumen, in denen Brecht und seine Frau, die Schauspielerin und Theaterdirektorin Helene Weigel wirkten, zeigt Intendant Peymann den Film "Abschied - Brechts letzter Sommer" von Regisseur Jan Schütte ("Auf Wiedersehen Amerika").
In eindringlichen Bildern wird ein Tag aus dem Leben des Dramatikers erzählt: drei Tage vor seinem Tod. Brecht, herzkrank und voller Zweifel, ist dabei, sein Sommerhaus in Brandenburg zu verlassen. In Berlin will er am Berliner Ensemble die kommende Theatersaison vorbereiten. Seine Ferien hat der Oberschwabe mit seinem Harem verbracht: Ehefrau, Tochter, Assistentin, die alte Geliebte und die neuen Gespielinnen wohnen in dem Haus am See. Sie rauchen, essen oder streiten. Stimmungsvolle Bilder treffen auf menschliche Abgründe. Regisseur Schütte: "Es wäre langweilig gewesen, die Geschichte einfach herunterzuerzählen. Brechts Leben in einem Tag und ein Tag im Leben Brechts, das war die Idee."
Helene Weigel wird von Monica Bleibtreu gespielt. Ihre Schauspielkunst trägt wesentlich dazu bei, dass man sich in das Jahr 1956 zurückversetzt fühlt. Die Darstellerin: "Wir sehen uns ähnlich. Deswegen bin ich auch besetzt worden. Wir sind beide Wienerinnen- Weigel hat sich das Wienerische Getue bestimmt auch so abgewöhnen müssen wie ich. Aber ganz ehrlich: Ich weiß nicht, wer Helene Weigel ist. Ich habe es wie Theater genommen und nur das Stück gespielt." Intendant Peymann: "Monica Bleibtreu bleibt sie selbst, aber mit dem Herz der Weigel. Es zeichnet gute Schauspieler aus, dass sie sich selbst in die Rolle einbringen."
Als unwirschen und fahrigen Intellektuellen und zugleich als faszinierenden Frauenliebling zeichnet der Regisseur Schütte die Figur des Brecht, die teils fiktional, teils biographisch ist. Josef Bierbichler überzeugt in der Rolle des Dramatikers. Der Schauspieler: "Mir ging es nicht um Brecht. Ich habe den Text gelernt. Das Drehbuch war einfach gut: Die Dialoge stimmten und die Figuren funktionierten."
800 Besucher kamen zur Filmpremiere ins Berliner Ensemble. Unter den Gästen konnte man Otto Schily und die Schauspieler Otto Sander und Jürgen Vogel sichten. Im Anschluss an die Vorführung gab John Cale, der die Musik zum Film komponierte, ein Gastspiel auf der Bühne. Der Musiker wechselte virtuos zwischen Flügel und Gitarre, spielte die für ihn typische Mischung aus Avantgarde, Klassik und Rock'n'Roll. Lieder wie "Set Me Free" und "Dying On The Vine" stießen auf begeisterte Zuhörer und machten den Abend zu einem erfreulichen Ereignis.