Stasi-Vergangenheit Rückendeckung für Condé-Nast-Chef Runge
München - Was "vor zwanzig Jahren unter völlig anderen innen- und weltpolitischen Bedingungen gewesen sein mag oder nicht", sei "einseitig und eindimensional nicht darstellbar", erklärte der Chairman der US-Verlagsgruppe Condé Nast, Jonathan Newhouse, am Montag. Die Presseveröffentlichungen und Akten über Jahrzehnte zurückliegende Kontakte Runges mit dem DDR-Geheimdienst seien für die Zusammenarbeit mit Condé Nast nicht relevant.
Prinzipiell könne dies die Wertschätzung für Runge und seine für die Verlagsgruppe geleistete Arbeit nicht schmälern. Er habe volles Vertrauen in Runge als Präsident von Condé Nast Deutschland ("GQ", "Vogue") und von Condé Nast New Markets Europa/Africa, betonte Newhouse. "Ich freue mich darauf, mit Herrn Runge noch viele Jahre zusammen zu arbeiten."
Laut Medienberichten vom Wochenende sei Runge seit Anfang der achtziger Jahre als Inoffizieller Mitarbeiter beim Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR registriert gewesen. Den Berichten zufolge war Runge 1981 im Zusammenhang mit der Aufnahme seines Studiums vom MfS kontaktiert worden. Er sei unter anderem "während seines Studiums vorwiegend zur Personeneinschätzung" eingesetzt worden, hieß es unter Berufung auf Akten. Diese seien im Rahmen der Erschließung bislang ungesichteter MfS-Dossiers in der Berliner Birthler-Behörde gefunden worden.
Runge, der unter dem Decknamen "Olden" geführt worden sei, habe auch über die Vorgeschichte des Ausreiseantrags seiner Schwester ausführlich berichtet. In der Verlagsmitteilung wies die Schwester diese Darstellung zurück. "Hier wird der Eindruck erweckt, mein Bruder habe mich verraten. Dies ist absolut unzutreffend." Ihrem Bruder und ihr sei stets klar gewesen, dass es im Zusammenhang mit der Ausreise zu intensiven Befragungen seitens der Staatssicherheit kommen würde.