Stauffenberg-Parodie ARD-Programmchef verteidigt Oliver Pocher
München - In ARD-Programmdirektor Volker Herres hat der Comedian Oliver Pocher einen mächtigen Freund gefunden. Nicht erst, seitdem feststeht, dass die Late-Night-Sendung "Schmidt & Pocher" eingestellt wird, setzt sich Herres vehement für den umstrittenen Moderator ein - und will ihn in der ARD halten. So wies er nun auch die harsche Kritik am Auftritt Pochers in der Sendung am vergangenen Donnerstag zurück.
"Ich kann die Aufregung nicht verstehen. Es muss ja nicht jedem alles gefallen", sagte Herres am Montag in München. Seine Haltung zu Comedy, Humor und Satire sei zutiefst liberal. "Und wer es denn ernst meint, jüngere Zuschauer noch erreichen zu wollen, der muss auch aushalten können, was ihm selbst nicht zusagt", sagte er.
Pocher war in der Show "Schmidt & Pocher" am 22. Januar angelehnt an den Widerständskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der derzeit im Kino von Tom Cruise dargestellt wird, in einer entsprechenden Uniform und mit Augenklappe aufgetreten und hatte Witze über den Film gerissen.
Der Fernsehausschuss des SWR-Rundfunkrates hatte dies zum Anlass genommen, Kritik an Pocher zu üben. Das Thema soll in der nächsten Sitzung am 27. März mit Herres erörtert werden, wie der Vorsitzende des Landesrundfunkrates Baden-Württemberg, Volker Stich, gegenüber ddp bestätigte. Es solle weiter diskutiert werden, doch gebe es bislang keinen Beschluss dazu. Mit Pocher solle zwar ein jüngeres Publikum erreicht werden, was teilweise auch der Fall sei, fügte er hinzu. Es gehe aber auch um die Frage von Qualität und Intelligenz in der Unterhaltung, sagte Stich.
SWR-Rundfunkratsmitglied Therese Wieland hatte den "Stuttgarter Nachrichten" gesagt, selbst wenn Pocher womöglich das Ziel gehabt habe, mit seinem Auftritt die Rolle von Cruise zu parodieren, sei dies letztlich gründlich misslungen. Es sei "nicht hinnehmbar, dass man den Helden des deutschen Widerstandes so ins Lächerliche zieht", wird Wieland von der Zeitung zitiert.
Bereits in der Vergangenheit hatte es Kritik aus Kreisen des SWR an Pocher gegeben, so an einem Interview mit der Rapperin Lady Bitch Ray und an dem sogenannten Nazometer von Pocher und Harald Schmidt.
Ende Dezember war bekannt geworden, dass "Schmidt & Pocher" nach anderthalb Jahren eingestellt wird. Der Late-Night-Talker Schmidt und Comedian Pocher werden ab April getrennte Wege gehen. Herres hatte betont, beide in der ARD halten zu wollen.