Streik bei der BBC Konserven statt News
Streikender BBC-Redakteur: Mehr Arbeit für weniger Rente
Foto: Oli Scarff/ Getty ImagesLondon - Im Kampf gegen die Kürzung ihrer Pensionen sind Mitarbeiter der BBC seit Mitternacht in einen 48-stündigen Streik getreten. Zahlreiche Live-Programme im Radio- und TV-Angebot des britischen öffentlich-rechtlichen Senders fielen aus und mussten mit vorher aufgezeichneten Inhalten ersetzt werden.
Hintergrund des Streiks ist ein Defizit der BBC-Rentenkasse in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Zur Senkung des Defizits will das BBC-Management das Rentenalter von 60 auf 65 Jahre anheben und die Pensionen deckeln. Rund 4000 bei der britischen Journalistengewerkschaft NUJ organisierte BBC-Angestellte wollen die Umsetzung dieser Pläne mit ihrem Streik verhindern.
Ein Angebot der BBC-Leitung, das eine geringere Kürzung vorsah, lehnten die NUJ-Mitglieder in einer Abstimmung mit einer Mehrheit von 70 Prozent ab. Die NUJ erklärte, die BBC wolle ihre Journalisten "mehr bezahlen, länger arbeiten und niedrigere Pensionen erhalten lassen." Die BBC-Angestellten, die bei der "Bectu" organisiert sind, einer anderen Journalisten-Gewerkschaft, sowie die nicht-organisierten Angestellten hatten dem Angebot vorher zugestimmt, solidarisierten sich jedoch später zu großen Teilen mit den Streikenden.
"Streiks beseitigen kein Rentendefizit"
In einem letzten Versuch, den Streik doch noch abzuwenden, hatte sich BBC-Generaldirektor Mark Thompson zuvor per E-Mail direkt an die Angestellten gewandt, wie die britische Zeitung "The Daily Telegraph" berichtet. "Ich kann nicht erkennen, dass diese Aktion irgendeinen Nutzen hätte", schrieb Thompson. "Sie können vielleicht erreichen, dass manches nicht oder in schlechterer Qualität gesendet wird. Aber Streiks werden weder das Rentendefizit verringern noch beseitigen sie die Notwendigkeit einer radikalen Rentenreform."
Die Gewerkschaft hingegen bestreitet, dass die Höhe des Defizits überhaupt feststehe und verlangt eine gründliche Überprüfung der Berechnungen des Managements, bevor Einschnitte gemacht werden. "Wie kann jemand, der nicht einmal die genaue Größenordnung eines Defizits kennt, behaupten, eine Lösung für das Problem zu haben?", sagte NUJ-Generalsekretär Jeremy Dear. Diese Position unterstützt auch die für Nachrichten zuständige BBC-Direktorin Helen Boaden: "Es wäre viel, viel besser gewesen, wenn die BBC abgewartet hätte, bis das Defizit ausführlich berechnet ist, um danach eine einvernehmliche Lösung zu finden."
Die BBC-Spitze reagierte enttäuscht auf die Ablehnung ihres Angebots durch die NUJ. Der Streik schade nur den Hörerinnen und Hörern. Ein neues Angebot hat sie bislang nicht vorgelegt. Die NUJ stellt sich auf einen längeren Arbeirtskampf ein. Sie plant bereits den nächsten Streik für Mitte November.