Streit um Blaubuch-Eintrag: Provinzielles Bauhaus? - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Streit um Blaubuch-Eintrag Provinzielles Bauhaus?

Die Bundesregierung veröffentlichte heute das "Blaubuch 2006", den Leitfaden für Kultureinrichtungen in den neuen Bundesländern. Die Arbeit des Bauhaus in Dessau wurde dabei als unzureichend und provinziell kritisiert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Halle - Das Bauhaus in Dessau hat die scharfe Kritik im "Blaubuch 2006" entschieden zurückgewiesen. Der im Auftrag der Bundesregierung heute veröffentlichte "Blauhaus"-Leitfaden umfasst 20 Museen des nationalen Erbes, so genannte "kulturellen Leuchttürme", sowie 20 kulturelle Gedächtnisorte in den neuen Bundesländern.

"Die heutige Mischung aus Historie, Weltgeltung und Provinzialität sollte selbstkritisch überdacht werden. Internationale Erwartungen und lokale Wirklichkeit vor Ort entsprechen sich kaum," heißt es im "Blaubuch" über das Bauhaus.

Die einflussreichste Kunstschule des 20. Jahrhunderts wurde 1919 von dem Architekten Walter Gropius (1883 - 1969) in Weimar gegründet. Am 4. Dezember 1926 zog sie in ein neues Gebäude in Dessau. Gropius entwarf neben dem Bauhausgebäude auch sieben Wohnhäuser - Künstler, Handwerker und Architekten sollten dort unter einem Dach zu Gestaltern ausgebildet werden. Das Gebäude gilt als "gebautes Manifest der Bauhaus Ideen" und wurde 1996 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Im selben Jahr wurde die umfassende Sanierung beschlossen, die zehn Jahre andauerte und 17 Millionen Euro kostete.

"Leider hat die praktische Arbeit darauf bislang nur unzureichend reagiert, und den politisch maßgeblichen Akteuren ist die Ikone "Bauhaus" für die aktuelle Bedeutung Deutschlands in der Welt zu wenig bewusst", lautet die Kritik im "Blaubuch".

"Die Einschätzungen darin sind widersprüchlich und absolut falsch", sagte der Direktor Omar Akbar am Freitag. Er sehe keine Veranlassung, etwas an der bisherigen Arbeit des Bauhauses zu verändern.

Der Sprecher der Konferenz Nationaler Kultureinrichtungen (KNK), Hartmut Dorgerloh, schlug, ohne den Namen Bauhaus zu erwähnen, eine "Rote Liste" für bedrohte kulturelle Leuchttürme vor. Zudem sprach er sich für die Aufnahme aller bedeutenden Kultureinrichtungen Deutschlands in das "Blaubuch" aus.

albi/dpa