Streit um Wagner-Nachfolge "Ich bleibe stur"
Bayreuth - Um den Chefsessel beworben haben sich Wagners zweite Frau Gudrun, seine Nichte Nike, seine Tochter Eva und sein Neffe Wieland Lafferentz. Wagner favorisiert seine Frau. "Die anderen haben von der praktischen Durchführung und der Erhaltung der Festspiele keine Ahnung", sagte er am Mittwoch. Ihre Pläne beruhten auf völliger Unkenntnis der Situation. Auch der Stiftungsrat kam nicht gut weg: Nur wenige der 24 Mitglieder seien überhaupt in der Lage, die Kandidaten beurteilen zu können. "Die wissen nicht, wen sie als Kandidaten vor sich haben", sagte der Greis, ohne Namen zu nennen.
Zugleich machte Wagner den Zeitpunkt seines Rücktritts erneut von einer langfristigen Lösung bei der Finanzierung der Richard-Wagner-Festspiele abhängig. "Ich bleibe stur", sagte der 80-jährige Enkel Richard Wagners bei der Jahresversammlung der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth.
Der Vorsitzende der gut 4600 Mitglieder zählenden Mäzenatengesellschaft, Karl Gerhard Schmidt, sprach sich dafür aus, die für Herbst geplante Wahl eines Nachfolgers erneut zu verschieben. Solange Wagner keinen Zeitpunkt für sein Ausscheiden nenne, mache die Bestimmung eines Nachfolgers wenig Sinn. Ein weiteres Ausufern der "unendlichen Diskussion" würde weder den Festspielen noch Wolfgang Wagner noch dem gewählten Nachfolger gut tun, sagte der Bankier. Schmidt äußerte zugleich die Hoffnung, dass sich die vier Mitglieder der Familie Wagner zu einer gemeinsamen Bewerbung durchringen können.
Zur langfristigen Stabilisierung der Festspielfinanzen soll laut Schmidt eine Stiftung gegründet werden, mit deren Hilfe zusätzliche Geldquellen erschlossen werden sollen. Die Gründung steht nach Ansicht von Beobachtern auch in Zusammenhang mit der angekündigten Unterstützung durch den amerikanischen Multimilliardär Alberto Vilar. Eine Entscheidung über den Einstieg des Kunstmäzens soll nach Abklärung rechtlicher Fragen noch während der Premierenwoche getroffen werden.
Durch die Festschreibung des Bundeszuschusses von 3,222 Millionen Mark auf das Niveau des Jahres 1999 fehlt im Festspieletat bis zum Jahr 2003 fast eine Million Mark. Dieses Defizit werde großenteils durch die Gesellschaft der Freunde ausgeglichen, berichtete Schmidt.
Jürgen Flimm, der Regisseur des neuen "Ring", appellierte an die Bundesregierung, die Zuschüsse für "das einzigartige und einzige deutsche Festival von internationalem Rang" beizubehalten.