Studio Braun The Telephone Men
Stellen Sie sich vor Ihr Telefon klingelt. Sie gehen ran und ein Kerl am anderen Ende der Leitung behauptet, er sei der Weihnachtsmann: "Ich kann dieses Jahr nicht kommen", brummelt er derangiert aus dem Hörer, "ich hab schwere depressive Wahnvorstellungen. Vielleicht kann ich einen Kollegen schicken: Der Fritz Honka hat Freigang, der kommt dann mit seinem Sack vorbei". Im Hintergrund singt dazu ein bizarr verfremdeter Weihnachtschor "Stille Nacht, heilige Nacht".
Ein Witz, ganz offensichtlich. Doch wer aus heiterem Himmel mit solchem Nonsens konfrontiert wird, dem verschlägt es zunächst die Sprache, oder, noch besser, die Opfer stammeln irritiert Unsinn. Das freut dann drei junge Hamburger, die sich als Studio Braun dem humoristischen Telefon-Terror verschrieben haben. Für ihre zweite CD mit dem sinnigen Namen "Gespräche II" haben die drei Spaßvögel wieder ahnungslose Menschen angerufen und sie mit absurden Anliegen konfrontiert: Eine Telefonsex-Dienstleisterin fragt sie nach Steuertipps, als "strafentlassene Steuerbetrüger" fordern sie einen "150.200 Mark Blitzkredit", und einmal versuchen sie sogar, ihren Gesprächspartner übers Telefon zu hypnotisieren.
Da hinter dem anonymen Studio Braun angeblich namhafte Hamburger Popmusiker stecken, tragen die drei Plaudertaschen auf Fotos stets einen Plastikeimer über dem Kopf. Das ist allerdings nur bedingt lustig, wie auch ein Teil der Dialoge, die ihre volle Pracht erst dann entfalten, wenn die Gespräche wirklich absurd werden: "Wie sind sie denn auf meine Nummer gekommen?", "Ich bin verbunden worden", "Ja wo denn?", "Am Arm."
Die Idee, ahnungslose Menschen mit Telefon-Streichen zu behelligen, haben sich Studio Braun von den New Yorker Jerky Boys abgeguckt. Das Duo macht seit 1992 mit großem Erfolg (zwei Platin-Alben, ein Film) Witze über schwule Friseure, einen Krematoriums-Service und andere politisch nicht korrekte Themen. Doch während die Betreiber von Studio Braun sich am Telefon gerne mal verhaspeln, oder über die eigenen Witze lachen, treffen die Pointen der Jerky Boys hart und gezielt. Immerhin bieten die Hamburger Witzbolde auf dem Cover ihrer neuen CD auch einen wirklich neuen Service an: "Wenn Sie wollen, dass sich Studio Braun für Sie professionell an jemandem rächt, den Sie nicht leiden können (Mobbing, Behördenwillkür, Lehrertyrannei) dann melden Sie sich auf der Studio Braun Homepage (www.studiobraun.de). Wir regeln das schon. Studio Braun. The Telephone Men."
Studio Braun "Gespräche II", BMG, ab 28. Februar