Stuttgart 21: Ab ins Museum, Protestzaun! - DER SPIEGEL
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Stuttgart 21 Ab ins Museum, Protestzaun!

Der vollgepinnte Bauzaun, Symbol des Anti-S21-Protestes, wird abgebaut und kommt ins Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Schlichtung vorbei, Transparente ins Archiv, Wutbürger nach Hause? Nein, sagen die Gegner des Bahnprojekts - und mobilisieren weiter für Demonstrationen.
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Stuttgart / Hamburg: Er war Zeuge der Montagskundgebungen, die zu Großdemonstrationen anschwollen. Auf seinem nackten Drahtgerippe brachten Schwabens Wutbürger einen Flickenteppich aus Plakaten, Protestnoten, Schmähschriften und selbstverfertigen Karikaturen an. Und jetzt kommt er ins Museum: Der Zaun um die "Stuttgart 21"-Baustelle am Nordflügel des Hauptbahnhofs wird seit Donnerstag für eine Museumsausstellung abgebaut. Im Haus der Geschichte Baden-Württemberg soll er restauriert und im Laufe des nächsten Jahres ausgestellt werden, sagte Museumsleiter Thomas Schnabel. Der Bauzaun wird voraussichtlich bis Freitag demontiert und durch einen neuen ersetzt.

Vertreter der Befürworter- und Gegnerseite des Bahnprojekts begrüßten die Bewahrung des Zaunes als Symbol für den Streit um "Stuttgart 21". Der Sprecher für das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm, Udo Andriof, sagte, es sei ein Zeichen für den guten Umgang miteinander, dass der Zaun nun ins Museum komme. Die Landesvorsitzende der Umweltschutzorganisation BUND und Gegnervertreterin bei der Schlichtung, Brigitte Dahlbender, fügte hinzu, der Zaun sei ein Sinnbild für die gesamte Bandbreite des Protests.

"Kein Abgesang auf die Bewegung"

Die Absperrung war im August aufgestellt worden, als die Abrissarbeiten des Nordflügels begannen. Der Ankauf sowie die Kosten für Abbau und Transport des rund 125 Meter langen Zauns belaufen sich nach Angaben des Museumsleiters auf rund 30.000 Euro. Wie teuer die Konservierung der rund 3500 Zettel und Plakate werde, sei noch unklar, sagte Museumsleiter Schnabel. Dass der Bauzaun nun ins Haus der Geschichte kommt, sei das einzige Ergebnis der Schlichtung, das zwischen Befürwortern und Gegner des Projekts unstrittig gewesen sei.

Dass mit dem Bauzaun auch der Protest historisch geworden sei, wollen die S21-Gegner allerdings nicht bestätigen. Das Projekt sei schon lange vor dem Schlichterspruch auf den Weg gebracht worden, sagt Tom Adler, Aktivist im "Aktionbündnis gegen Stuttgart 21": "Das ist kein Abgesang auf die Bewegung." Für kommenden Samstag mobilisieren die Projektgegner wieder zu einer Demonstration vor der Baustelle. "Für uns sind der 'Stresstest' und Geißlers Verbesserungsvorschläge nur akzeptabel, wenn sie mit einem Bau- und Vergabestopp verbunden sind", so Adler.

Wer heute schon wissen will, was die empörten Ländle-Bewohner alles an den Zaun gepinnt haben, muss nicht auf den Museumskatalog warten: Die Dokumentation des Protestzauns bildet nämlich das Kernstück des Buches "Oben bleiben!!! Manifest und Bilder des Protestes", das am 6. Dezember im "Kein & Aber"-Verlag erscheint (siehe Kasten).

twi/dpa

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