Tageskarte Kunst Böse Knetgummifiguren
"Die Kunst macht dem Kino Konkurrenz", schrieb der Filmkritiker Michael Althen vor zwei Jahren, nachdem er in Venedig die Filme von Künstlern wie Francesco Vezzoli und Candice Breitz gesehen hatte. Auf der Kunstbiennale entdeckte er "einiges", das "fesselnder war als mancher Film in Kinopalast". Die "Mother- und Father"-Installation von Candice Breitz beispielsweise oder Francesco Vezzolis "Caligula". Allerdings war das Filmegucken auf der Biennale mühsam: keine Sitzgelegenheiten, kaum Schalldämmung in den gezimmerten Kojen und von Lüftung keine Rede. Auf der KunstFilmBiennale in Köln und Bonn ist es bequemer.
Bis Mittwoch kann man täglich ab 15 Uhr Kunst-Kino gucken. Allein 48 Filme sind zum internationalen Wettbewerb um den Preis der Filmstiftung NRW eingereicht, viele werden sogar der Juryvorsitzenden Ingvild Goetz neu sein, die weltweit als bedeutendste Sammlerin von Medienkunst gilt.
Die Künstlerliste mit Namen wie Doug Aitken, Ayse Erkmen, Julian Rosefeldt, John Bock, Willie Doherty oder Gabriele Fridiksdóttir, der isländischen Freundin von Björk, verspricht alles von der abstrakten Analyse und emotionsgeladenen Erzählung bis zum Bühnenzauber und zur Systemkritik. Experimente mit kompromissloser künstlerischer Handschrift sind die Animationsfilme von Nathalie Djurberg, die für ihre surreal bösen Geschichten ihre Protagonisten aus Knetgummi formt. Oder die neue Arbeit des Israelis Guy Ben-Ner. Sie spielt in der heimeligen Wohnecke bei Ikea und endet mit einem Rausschmiss. Der Däne Jesper Just zeigt die beklemmende Trilogie "It Will All End In Tears", eine in betörenden Bildern gedrehte Geschichte über Alter und Jugend, homoerotisches Verlangen und zynische Verführung.
Im Mittelpunkt des Festival stehen die Retrospektiven von Sarah Morris und Shirin Neshat, die gerade ihren ersten Kinofilm mit deutscher Filmförderung abgedreht hat. Heinz Peter Schwerfel, künstlerischer Leiter der Biennale, hat auch Ulrike Ottinger mit ihrem neuen Film "Prater" eingeladen, in dem sich die Dichterin Elfriede Jelinek lesend von einem gemalten Orang-Utan in den Arm nehmen lässt.
Das alles soll am Sonntag, dem 21.10., von 10 bis 18 Uhr in dem Symposium "Kunst-Film-Kunst" wissenschaftlich analysiert werden. Nicolas Borriaud, Kustos an der Tate Britain, spricht aus der Sicht der Kunst, Philippe Dubois, Filmhistoriker, über den Einfluss des Künstlerfilms auf das Kino. Vielleicht ist die Grenze zwischen Kunstfilm und Filmkunst danach etwas schärfer.
KunstFilmBiennale. 18.-24.10., Köln und Bonn, an verschiedenen Orten. http://www.kunstfilmbiennale.de
Symposium. 21.10., 10 Uhr, Kunsthochschule für Medien Köln. Eintritt zum Symposium frei, Anmeldung erbeten unter art@neumann-luz.de .