Tageskarte Kunst Ein Schweizer in New York
Man sieht den Bildern an, dass der Fotograf Robert Frank, 83, ziemliches Glück gehabt hat mit seinem Verleger: Da sitzt Frank mit Gerhard Steidl im Druckerei- und Verlagsgebäude in Göttingen, sie schauen sich Drucke von Franks Fotoklassiker "The Americans" an. Mit den Bildbearbeitern spricht Frank über die Scans seiner Schwarzweißbilder, er diskutiert über den Mix aus Schwarz und zwei Grautönen, er überprüft die Testdrucke.
Diese dokumentarischen Aufnahmen von Fotograf, Verleger und Druckerei sind nur im Katalog des Steidl-Verlags abgedruckt. Das Ergebnis dieser Arbeit aber ist jetzt auf den Markt gekommen: eine Neuauflage von Franks Klassiker "The Americans", publiziert auf Englisch, Deutsch und Chinesisch. 1958 war der Fotoband beim Pariser Verlag Robert Delpire erschienen innerhalb einer Serie über andere Länder. Ein Jahr später brachte ein New Yorker Verlag das Buch heraus, denn Frank hatte nicht nur 83 interessante Bilder gemacht, sondern ein radikal modernes und in seiner Bildsprache absolut eigenständiges Werk abgeliefert.
Mit dem Blick des Spaziergängers, mit der Perspektive des zufällig Vorbeikommenden hatte er amerikanischen Alltag abgelichtet: Akkordarbeiter in Detroit, einen dünnen älteren, sehr unglücklich wirkenden Zeugen Jehovas mit der Zeitschrift "Awake" in der Hand, ein Fest im Park zum Unabhängigkeitstag, die Beerdigung eines Schwarzen in South Carolina, ein Brautpaar im Standesamt von Reno. Zwei Jahre lang war er, finanziell abgesichert durch ein Guggenheim Stipendium, durch die USA gereist und hatte 28.000 Fotos aufgenommen.
Für Frank waren die USA damals schon fast zur Heimat geworden: In seiner Schweizer Heimat hatte er für verschiedene Fotografen gearbeitet und war dann 1947 nach New York ausgewandert. Er machte Reportagefotos in Peru, Frankreich, England, Bolivien, seine Bilder wurden in "Harper's Bazaar", "Life", "Fortune" oder "Vogue" gedruckt. In Paris als Fotograf Fuß zu fassen, ist ihm dagegen nicht geglückt. Dennoch reiste Frank immer wieder dorthin, und auch aus diesen Bildern ist ein vom Steidl-Verlag neu aufgelegtes Buch entstanden: "Paris", das Porträt einer verregneten und dennoch poetischen Stadt. Noch bis zum 6. Juli sind die Paris-Bilder auch im Essener Museum Folkwang zu sehen.
Ja, Frank hat Glück gehabt mit seinem deutschen Verleger. Denn Steidl hat nicht nur zwei sehr schöne Fotobände herausgebracht, sondern sich vorgenommen, das gesamte Werk von Robert Frank bis 2010 neu zu publizieren, inklusive seiner Filme. Auch in seiner Wahlheimat wird Frank gewürdigt werden: Zum 50-jährigen Jubiläum des Buchs "The Americans" zeigt die National Gallery of Art in Washington ab dem 18. Januar 2009 seine Bilder; anschließend wandert die Schau nach San Francisco und New York.
Bücher "Robert Frank Paris". 30 Euro. "Die Amerikaner". Übersetzt von Hans Wolf. Beide: Steidl Verlag, Göttingen.
Die Ausstellung "Robert Frank. Paris" läuft noch bis zum 6.7. im Folkwang Museum , Essen.