Tageskarte Kunst Kaufen Sie! Jetzt!
Ein Mekka für junge Kunst ist die Art Cologne, Mutter aller Messen, nicht mehr. Aber eine Provinzmesse, so wie geunkt wurde, ist sie noch lange nicht. Denn immer noch sind renommierte Galerien dabei wie Bärbel Grässlin aus Frankfurt, die Züricher Hauser & Wirth oder Naechst St. Stephan aus Wien, die Londoner Galerie Maureen Payley und nicht zu vergessen Schönewald Fine Arts aus Düsseldorf, der feinste Qualität und exzellente Arbeiten zu vernünftigen Preisen anbietet. Aber trotz allem hat die älteste Kunstmesse zu kämpfen es gibt viel zu viele Galerien und viel zu wenig gute.
Und da ist auch noch das Standortproblem Köln Sammler fahren heute lieber nach Berlin, Basel, Madrid, London oder auch nach Miami. Die Probleme sind der Messe bekannt, lösen sollen sie der neue junge Messechef Daniel Hug und die beiden Berater Kathrin Luz und Meyer Voggenreiter, die schon seit vier Jahren den "open space" mit junger Kunst auf der Messe organisieren.
Nicht einfach außer für den Künstler Christian Jankowski. "Wenn die Besucher nicht zur Messe kommen, kommt die Messe eben zu ihnen ins Wohnzimmer", hat der sich gesagt und einen professionellen Teleshopping-Moderator angeheuert, der am Eröffnungstag (Dienstag, 15.4.), am Nachmittag auf der Messe über Internet-Fernsehen Kunst von verschiedenen Galerien mit eigenen Worten zum Verkauf anbieten wird.
Wie ein kunstferner Profi-Verkäufer über Kunst redet, wird sicher nicht nur komisch sein, sondern auch die Verkaufsgesprächskultur und damit die übliche Terminologie solcher Gespräche in einem neuen Licht erscheinen lassen. Zuschauer können sich von zu Hause aus über eine Hotline telefonisch zuschalten und die angepriesenen Objekte kaufen. Zum Schluss der Sendung wird der Telemoderator die gerade stattgefundene Verkaufssendung als Arbeit von Christian Jankowski verkaufen das Kunstwerk bringt sich also selbst an den Mann. Jankowski hat sich mal wieder raffiniert in existierende Systeme infiltriert und daraus ein witziges aber auch bedenkenswertes Statement gemacht.
Ein Statement ganz anderer Art macht die Kölner Galerie Daniel Buchholz. Buchholz hat ein Buch über die "Yellow Movies" des Minimal-Pioniers, Bildenden Künstlers und Film- und Video-Avantgardisten Tony Conrad herausgegeben, das er auf der Messe und in seiner Galerie am 15. April ab 20 Uhr vorstellt. Als "Yellow Movies" bezeichnet Conrad seine großen Papierbilder, deren meist weiße oder gelbe Farben langsam vergilben für Conrad ein filmischer Vorgang.
Beim "Abend mit Tony Conrad" werden seltene Filme und unveröffentlichtes Material aus den sechziger Jahren gezeigt, und Conrad diskutiert mit Diedrich Diederichsen und Branden W. Joseph von der Harvard Universität, der über den inzwischen 65-jährigen Conrad geforscht hat. Als Höhepunkt gibt Conrad eine Violinen-Performance. Zwischen Minimal-Musik und infernalischer monotoner Gewalt kann sich die Musik von Conrad abspielen, der früher mit La Monte Young, Jack Smith und John Cale das legendäre "Dream Syndicate" bildete und später mit der deutschen Krautrock-Legende Faust zusammenarbeitete, bevor er zur Kultfigur des strukturellen Films wurde. Auch auf der Messe zeigt Buchholz Conrad-Arbeiten, nämlich eine Serie mit Collagen von 1977.
Art Cologne. Köln, Messehallen, 16.20.4., Eröffnung am 15.4.; "An evening with Tony Conrad". Galerie Daniel Buchholz, Köln. 15.4., 20 Uhr, Tel. 0221/257 49 46, www.galeriebuchholz.de