Tageskarte Kunst Miami in Berlin
Angefangen hat es mit dem Berliner Galerien-Wochenende, das natürlich "Gallery-Weekend" heißt, vor drei Jahren, im Frühjahr 2005. Damals hatten sich Berliner Galerien zusammengetan und ihre Sammler, Kuratoren und sonstige Kunstinteressierte eingeladen, ein Wochenende lang nach Berlin zu kommen, um von morgens bis abends Kunst anzusehen und danach gemeinsam zu feiern. Einen Grund für die konzertierte Aktion gab es auch: Nachdem man auf teuren Messen das gesamte Galerie-Programm zeigen müsse, also eine Art Gemischtwaren-Galerie in den Kojen einrichtete, käme die Würdigung der eigentlichen Arbeit eines Galeristen zu kurz. Die sei es nämlich, nicht nur zu verkaufen wie auf den Messen, sondern in den eigenen Galerie-Räumen mit den Künstlern zu arbeiten, deren Entwicklung zu zeigen, und das Interesse eines Sammlers am Gesamtwerk und nicht nur an einer einzelnen Arbeit zu wecken. Das wolle man zeigen - Künstler und Galerie bei der täglichen Arbeit in gewohnter Umgebung.
Klang alles super und war auch super. Viele kamen, guckten, kauften, feierten. Also gab es im nächsten Frühling wieder ein "Gallery-Weekend", und dieses Jahr ist es schon das vierte. Die Galeriearbeit wurde dabei vom einen oder anderen miamisiert, wie im vergangenen Jahr von der Galerie Contemporary Fine Arts, die den 25-jährigen Dash Snow dank angeblicher Sex-und Drogenexesse und millionenschwerer Herkunft mit viel Mediengetöse als eine Art "Pete Doherty der Kunst" vermarkteten. Dieses Jahr deuten sich zwei Hits an: Olafur Eliasson zeigt nicht nur im MoMA in New York, sondern in seiner Stammgalerie neugerriemschneider eine spektakuläre, begehbare Arbeit. Und bei Raffael Jablonka hängt Nobuyoshi Araki seine Bondages-Fotos eigenhändig.
Aber natürlich soll es nicht um Sensationen, sondern um die Kunst gehen. Bei Jörg Johnen wird jetzt schon an neuen Galerie-Wänden für die Videos des Belgiers David Claerbout gebaut, Guido W. Baudach zeigt zum ersten Mal Filme der New Yorkerin Aïda Ruilova - und damit die einzige Frau in seiner Galerie. Mehdi Chouakri hat den 29-jährigen Italiener Luca Trevisani mit seinen poetischen Skulpturen ins Programm genommen, den er zusammen mit dem Franzosen Mathieu Mercier ausstellt. Ob er Sammler aus deren Heimatländern erwartet? "Selbstverständlich", sagt Chouakri, und außerdem hätten sich Briten und Österreicher angesagt.
Obwohl vor zwei Wochen die BerlinBiennale eröffnet wurde? "Sammler sind kein Biennale-Publikum, die kommen lieber jetzt und schauen dann sicher auch die Biennale an", sagt Christian Nagel, der Gemälde der Chinesin Jiang Congyi von 14-jährigen Schwangeren zeigt - ein Tabu in China. Auch er hat positive Rückmeldungen. Und trotzdem Bedenken. "Man kann das beste Rennpferd mit zu vielen Rennen zu Tode reiten", sagt er und nennt die Rennen: Biennale, Gallery-Weekend, Messe und im September eine Ausstellung mit Künstlern der Weekend-Galerien.
Die Zukunft des "Weekends" ist Nagel nicht so ganz klar. "Viele gute Galerien ziehen gerade nach Berlin, die kann man ja das nächste Mal nicht ausschließen." Aber ein "Weekend" mit vielleicht 60 Galerien, das schafft der schnellste Sammler nicht. "Und außerdem werden wahrscheinlich die jungen, neuen Galerien auf der Strecke bleiben."
Thomas Schulte, Galerist der ersten Stunde im wiedervereinigten Berlin, sieht das anders. Ihn freue, dass die Berliner Galerien mal wieder gemeinsam zeigen, welche Power sie haben und dass sie "ein Motor" in der Stadt seien, "auch innerhalb der Szene, denn die jungen und neuen Galerien in der Brunnen- und Torstraße hängen sich einfach mit dran". Bei Schulte sind Gemälde des arrivierten Jonathan Lasker und Bilder und Skulpturen seines Neuzugangs Bernhard Martin zu sehen.
Michael Neff, Ex-Galerist aus Frankfurt, hat das "Weekend"-Programm organisiert, einschließlich der Events für geladenen Gäste, die sich sogar aus der Ukraine, Israel und aus Südamerika angesagt haben. Und weil die Galerien am Wochenende "Kommunikationsorte ohne Bürobusiness" sind, rechnet Neff mit vielen kunstinteressierten Nichtsammlern. Zum Großdinner ins Kongress-Zentrum des DDR-Architekten Hermann Henselmann sind die allerdings nicht geladen, aber zu jeder Party der Galerien, die nicht am Wochenende teilnehmen dürfen, aber trotzdem mitmachen. Die jungen Brunnenstraße-Galerien beispielsweise haben das ganze Wochenende geöffnet und in der Kim-Bar (Brunnenstraße 10) erfährt man von der "Um-die-dreißig-Kunstszene", wo man bis zum nächsten Tag durchfeiern kann.
Gallery-Weekend Berlin. Gemeinsame Öffnungszeiten aller 34 teilnehmenden Galerien am 2.5. 18-21 Uhr, am 3. und 4.5. 10-19 Uhr.