Tageskarte Kunst: Unsichtbares Licht - DER SPIEGEL
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Tageskarte Kunst Unsichtbares Licht

Wieso sind die Rasierapparte von Dieter Rams zeitlos schön? Und was macht ein Logo erfolgreich? Beim Design Festival 2007 präsentiert sich Hamburg ab heute als Stadt der Kreativen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Fatale am Design ist, dass man immer das Gefühl hat, der gerade neueste Trend sei eigentlich schon wieder von gestern. Klar gibt es sogenannte "zeitlose" Entwürfe. Das blauweiße Nivea-Creme-Logo zum Beispiel. Oder die Radios, Regale und Rasierapparate von Deutschlands berühmtesten Kreativen Dieter Rams, der so schlicht und geschmacklich langlebig entwirft, weil "die Hauptverantwortung des Designers in der Ordnung des zeitgenössischen Lebens" liegt. Das klingt ein bisschen oberlehrerhaft, aber als Professor an der Hochschule der Künste in Hamburg hat Rams nicht nur diese Art des Entwerfens vermittelt. Denn sicher hat der eine oder andere Hamburger Jungkreative, der ab heute seine Arbeiten beim Hamburger Design Festival zeigt, bei Rams studiert und verwirklicht trotzdem andere Ideen. Zum Beispiel, dass man sich über den so genannten guten Geschmack lustig machen darf, dass absurdes Anti-Design und sogar Kitsch erfolgreich sein kann.

Die 400 Teilnehmer aus Produkt-, Mode-, Textil- und Kommunikationsdesign zeigen bis zum nächsten Mittwoch fast alles: Möbel, Vasen, Teppiche, Stempel, Lampen oder unsichtbares Licht. Schriften, Papiere, Schuhe, Korsetts, Hüte, Schmuck und Taschen. Gestricktes, Gewebtes, Gefilztes und Bedrucktes, Kleider und Fotos. Und alles, was sich sonst noch in Form bringen lässt. Es gibt Modeschauen, Vorführungen über Materialveredelung, Vorträge, wie ein erfolgreiches Logo auszusehen hat oder wie ein Verpackungsdesign funktioniert. Gezeigt wird auch, was Kreative vergeblich entworfen haben, weil kein Hersteller sich dafür begeistern konnte. Colell & Kampmann, Produkt- und Kommunikationsdesigner, präsentieren beispielsweise solche Entwürfe, die es nicht auf den Markt geschafft haben, Justblue.Design hingegen, spezialisiert auf Verpackungen, hat eine Erfolgsstory mit Nivea-Pflegeprodukten vorzuweisen, ein Beispiel, dass kommerziell erfolgreiches Design nicht originell, sondern konform und auch ein bisschen piefig aussehen darf.

Es gibt 143 Veranstaltungen in den sechs Tagen vom 5. bis zum 10. Oktober. Dank eines sehr benutzerfreundlichen Stadtplans im Netz sind kurze Wege zwischen den Veranstaltungsorten planbar. Trotzdem sollte man die Beschreibungen der "events" genau durchlesen, allein schon, um sich den Weg zum Kurzseminar "Input zur Formulierung eigener Erfolgsstrategien" für 76 Euro Eintritt zu ersparen. Kostenlos gibt es Beratung beim "Sozialamt für Gestaltung", einem vom Designbüro Giraffentoast betriebenes Infobüro. Sogar über Designrecht und Designklau gibt es Auskunft in der Akademie für Mode & Design. Ohne elterliche Beratung in puncto Geschmack dürfen Kinder bei Bidibidibi ihre eigenen Muster und Farbvorstellungen auf Bettwäsche malen und für zehn Euro mit nach Hause nehmen. Und Hamburgs Glas-und-Stahl-Architekten Hadi Teherani kann man jeden Tag von 12 bis 18 Uhr in seinem Büro im Deichtorcenter besuchen. Vielleicht gibt er ohne Gebühren "Tipps zur Optimierung der Differenzierung zum Wettbewerb". Das kostet bei Designerfitness nämlich 56 Euro.


Design Festival Hamburg 2007. 5.–10. Oktober, Infos unter http://www.designfestival.de