Tageskarte Theater Kopffüßler mit Karriereschritten
Es sollte nur eine Recherche sein, aber es wurde zum Experiment am eigenen Körper: Als der britische Choreograf Wayne McGregor sich eine Operation am offenen Herzen ansah, als Vorbereitung auf sein neues Tanz-Stück, fiel er in Ohnmacht und hatte wieder mal einen Beweis dafür, wie toll Körper und Geist zusammenarbeiten. Das Hirn hält nicht aus, was das Auge ihm meldet, und gibt den Befehl: System sofort runterfahren. Faszinierend.
Es sind genau solche Mechanismen, die McGregor, 38, schon immer fasziniert haben. Deshalb entstehen seine Werke oft auf Basis neuester Erkenntnisse, etwa von Neurowissenschaftlern. Die Forschung zur Künstlichen Intelligenz sei seine wichtigste Inspirationsquelle, hat er mal gesagt. Seine Arbeiten, loben Kritiker, "reißen die Grenzen zwischen realer Physis und Virtual Reality ein". Wo die Maschinen dem Menschen immer ähnlicher werden, geht er den umgekehrten Weg der Choreograf tanze "wie ein noch nicht ganz ausgereifter Android", schrieb die "Zeit". Sein Spitzname ist angeblich "Nosferatu on Acid".
Die unverwechselbare Körpersprache haben McGregor und seine Compagnie Random Dance in Großbritannien zu Stars gemacht. McGregor hat es sogar zum Haus-Choreografen des ehrwürdigen Royal Ballet geschafft, obwohl er nicht mal eine klassische Tanzausbildung hat. In seiner Jugend begeisterte er sich für John Travolta.
In Deutschland ist McGregor mit seiner Compagnie Random Dance jetzt beim Festival "Movimentos" in Wolfsburg zu Gast, mit dem neuen Stück "Entity". Die Kritikerin des "Guardian" in London, wo gerade erst die Uraufführung stattfand, verspricht: "Sein Einfallsreichtum wird Sie fesseln." Tanzen beginnt eben im Kopf.
Gastspiel Wayne McGregor Random Dance Compagnie mit "Entity" beim Festival "Movimentos" in Wolfsburg am 30.4., 1. und 2.5., Tel. 0800/288 67 82 38.