Tageskarte Theater Poetischer Derwisch
Großbritannien, Bangladesh, Belgien, Marokko. Das sind die Länder, aus denen die Macher von "Zero Degrees" stammen. Dabei sind sie nur zwei: die Star-Choreografen Akram Khan und Sidi Larbi Cherkaoui, die in diesem Fall auch ihre eigenen Tänzer sind.
Klar ist Multikulti noch kein künstlerischer Wert an sich es kommt drauf an, was man draus macht. In "Zero Degrees" erzählen die beiden von einer Zugfahrt zwischen Bangladesh und Indien, während der ein Passagier stirbt. Ihre Mittel: ein Derwisch-Tanz, "der schnellste je gesehene", wie die "Süddeutsche Zeitung" schrieb, dazu harter Brit-Pop bei Akram Khan, "marokkanische Gnawa-Ekstasen gemixt mit languedocschen Madrigal-Gesängen" bei Sidi Larbi Cherkaoui. Daraus wird eine so mitreißende, hochenergetische Vorstellung, dass es beim ersten Gastspiel der beiden im Berliner Theater Hebbel am Ufer (HAU) (http://www.hebbel-am-ufer.de ) niemand mehr auf den Sitzen hielt. Von "Magnetismus" schrieb der "Tagesspiegel". Gelobt sei die Globalisierung. Ab Donnerstag sind sie noch einmal für drei Tage zu Gast.
Sidi Larbi Cherkaoui, 31, umschwärmter, international gefeierter Choreograf mit marokkanisch-muslimischem Vater und belgisch-katholischer Mutter, ist wenige Tage später noch einmal im HAU 1 zu sehen: Ab Donnerstag, dem 18.10., zeigt er seine Choreografie "Myth", entstanden am Toneelhuis Antwerpen. Auch da wird es nicht leicht sein, noch Karten zu bekommen aber auch da lohnt es sich unbedingt: 21 Tänzer und Musiker spüren zu mittelalterlicher Musik in einer Bibliothek, dem Inbegriff der Kultiviertheit, Fragen nach der Natur des Menschen nach: seiner Gewalttätigkeit, seiner Triebhaftigkeit und seinem Hunger nach Sinn.
Tolle, akrobatische Compagnien gibt es viele, aber die Choreografien von Sidi Larbi Cherkaoui geben ihnen das entscheidende Element dazu, das eine verzückte Kritikerin zu beschreiben versucht hat als "diesen Extra-Schuss Poesie und Intensität". Aber beschreiben lässt es sich so schwer. Selber erleben ist besser.
Weitere Informationen: http://www.hebbel-am-ufer.de