Tageskarte Theater Schwarz, stark, gut
Die Zukunft des deutschen Tanzes liegt im Nebel. Zumindest, wenn man der neuen Reihe "Choreographen der Zukunft" glauben darf, die am kommenden Donnerstag im Berliner Radialsystem startet: Zur Eröffnung zeigt Juan Kruz Diaz de Garaio Esnaola dort seine Choreografie "Ars melancholiae". Und Melancholie, so definiert es der gebürtige Baske, "ist eine Landschaft von beruhigender Schönheit, in der der Blick und der Geist im Nebel umhergehen".
Klingt schön, aber wie drückt man das ohne Worte aus, nur mit dem Körper?
Wenn es einer weiß, dann Diaz de Garaio Esnaola, 41, denn er ist Melancholiker aus Überzeugung. Der Winter, hat er mal gesagt, sei seine liebste Jahreszeit (und das in Berlin!). Und dass er Gefühle und Gemütszustände in Bewegungen übersetzen kann, hat er auch schon oft bewiesen - bei eigenen kleineren Arbeiten, vor allem aber in der Compagnie von Sasha Waltz, in der er einer der dienstältesten, beständigsten, vielseitigsten und kreativsten Mitarbeiter ist. Schon in der legendären "Allee der Kosmonauten" von 1996 war er dabei - und fiel auf durch seinen unglaublichen Körpereinsatz, den ernsten Blick sowie eine grandiose Einlage als Countertenor.
Nur fair also, dass Sasha Waltz diesen wichtigen Tänzer (und Musiker), der längst auch ein Freund von ihr ist, ausgewählt hat, um das von ihr und ihrem Team entwickelte Förderprogramm "Choreographen der Zukunft" zu eröffnen.
Die Melancholie - von den alten Griechen so genannt nach der schwarzen Gallenflüssigkeit - ist für Diaz de Garaio Esnaola dabei ein Zustand zwischen angenehm zarter und unerträglich schmerzhafter Traurigkeit. Mit Nostalgie hat das Ganze aber nichts zu tun, betont er. Und auch, wenn sie medizinisch gesehen der Depression gleicht, ist die Melancholie in der Kunst doch vor allem eine Sache für Romantiker.