Talker-Duell: ZDF droht ARD mit Kerner-Offensive - DER SPIEGEL
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Talker-Duell ZDF droht ARD mit Kerner-Offensive

Quotenzoff bei den Öffentlich-Rechtlichen: Das ZDF empört sich darüber, dass die ARD ihr Sonntagsprogramm umbaut. Das sei "Verdrängungswettbewerb", schimpft der ZDF-Programmchef - und kündigt an, notfalls Johannes B. Kerner direkt gegen Sabine Christiansen antalken zu lassen.
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München - ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut sagte zu der möglichen Änderung: "Die Zeit ist reif dafür." Die Sendung mit Kerner werde "kurzfristig" von Freitag auf Sonntag verlegt, "wenn die ARD uns weiter unter Druck setzt". Bellut reagierte damit auf Pläne des Ersten, die "Tagesthemen" auf 22.15 Uhr vorzuverlegen und den bisher am Freitag gesendeten "Bericht aus Berlin" unmittelbar vor der ZDF-Sendung "Berlin direkt" am Sonntag zu platzieren. "Die ARD plant wohl einen Verdrängungswettbewerb gegen uns", kommentierte der ZDF-Programmchef diese Überlegungen.

Nach Informationen der "Bild am Sonntag" ergaben Untersuchungen des Mainzer Senders, dass viele Zuschauer am Sonntag lieber Kerner als Polit-Talk-Lady Christiansen sehen würden. Der ZDF-Plauderer, der bislang von dienstags bei freitags auf dem Bildschirm erscheint, räumte ein, die Planspiele zu kennen.

"Die Gesamtzahl meiner Sendungen wird sich auf keinen Fall erhöhen. Gingen wir sonntags an den Start, fiele die Freitagsendung dafür weg", stellte Kerner klar und fügte selbstbewusst hinzu: "Wir haben ein starkes Jahr hinter uns, da ist es ein nahe liegender Gedanke, dass das ZDF die Kraft der Sendung auch an anderen Stellen wirken lassen möchte - zum Beispiel sonntags." Beschlossen sei aber noch nichts, betonte der 40-Jährige, der nicht nur über Politik reden würde.

ARD: "Auf Fingerhakeleien verzichten"

ARD-Programmdirektor Günter Struve wies derweil Belluts Vorwürfe zurück. Die ARD habe an keiner Stelle gegen das Zweite programmiert. "Das ZDF spricht dagegen zunächst ohne Anlass von Kampfprogrammierung und droht dann selbst mit dieser. Alle wären gut beraten, auf solche Fingerhakeleien zu verzichten", mahnte Struve.

Außerdem wurde bekannt, dass offenbar ebenfalls am Sonntag bei Sat.1 der erfahrene Moderator Michel Friedman auf Sendung gehen soll. Nach Angaben des "Focus" haben bereits mehrere Gespräche mit dem 48-Jährigen stattgefunden. Diese Runde solle nach dem Willen von Senderchef Roger Schawinski ebenfalls in Konkurrenz zu "Christiansen" treten.

Sat.1-Sprecherin Kristina Faßler dementierte die Berichte jedoch "klar und deutlich". Es habe "keine konkreten Gespräche" mit Friedman gegeben, sagte sie und fügte hinzu, der Privatsender plane derzeit auch keinen politischen Talk für den Sonntag. Bis zu seiner Kokain- und Prostituierten-Affäre im vergangenen Jahr hatte Friedman für die ARD Politiker ins Kreuzverhör genommen. Zur Zeit talkt er im Nachrichtenkanal N 24 und im Pay-TV-Sender 13th street.

Wolfgang Schönwald, ddp