Tate Gallery: Angst vor den Nackten - DER SPIEGEL
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Tate Gallery Angst vor den Nackten

So etwas hat das Publikum gemeinhin gern: Pralle Brüste, schwelgerische Farben und opulente Interieurs. Mit einer großen Ausstellung über das Nackte im viktorianischen England ("Exposed: The Victorian Nude") will die Londoner Tate Britain nach Umbauarbeiten im November ihre neuen Säle einweihen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Süßlicher Körperkult von Salonkünstlern wie Lawrence Alma-Tadema, John Everett Millais oder Lord Frederic Leighton soll die Räume füllen und den Besuchern anschaulich klar machen, "dass die Moral der Viktorianer sicher nicht strenger war als unsere eigene", so ein Tate-Mitarbeiter. Doch das sehen britische Sponsoren ganz anders. Bis jetzt hat sich keine der Firmen, die sich sonst gern mit kulturellen Großereignissen brüsten, bereitgefunden, das Akt-Ereignis finanziell zu unterstützen.

Für das renommierte Museum, das auf private Zuschüsse angewiesen ist, ein herber Schlag. Sponsoren, so weiß ein britischer Kunstfachmann, der zwischen der Wirtschaft und der Kunstwelt vermittelt, "sind von Natur aus konservativ" und wollen "kein Risiko eingehen". Die Tate-Show sei den Firmen auf der einen Seite wohl nicht seriös und andererseits nicht modern genug. Nun muss der Freundeskreis des Museums mit Spenden einspringen.