Tate Modern Gläserne Pyramide an der Themse
London - Das ist kein kleines Facelifting mehr, sondern eine komplette Rundumerneuerung: Bis zu den Olympischen Spielen 2012 will die Londoner Tate Gallery für Moderne Kunst ihre Ausstellungsfläche beinahe verdoppeln. Der neue Anbau einer stufenförmigen Glaspyramide soll 397 Millionen Dollar kosten, teilte Generaldirektor Nicholas Serota am Dienstag mit.
Die Pyramide soll 70 Meter hoch werden und in ihrem Inneren zehn neue Ausstellungskomplexe sowie zwei Räume für Aufführungen beherbergen. Für die Architektur wurde das Schweizer Büro Herzog & de Meuron engagiert. Dieses hat bereits den derzeitigen Innenausbau der Tate Modern kreiert, die in einem ehemaligen Kohlekraftwerk untergebracht ist. Die Finanzierung des Anbaus soll laut Serota sowohl aus privaten als auch aus öffentlichen Mitteln erfolgen.
"Das Museum war ursprünglich für 1,8 Millionen Besucher pro Jahr konzipiert", sagte Serota, der neben der Tate Modern auch Museen wie Tate Britain, Tate Liverpool und Tate St. Ives verantwortet, "doch mittlerweile kommen über vier Millionen". Besonders an Wochenenden herrsche oft drangvolle Enge in den Ausstellungsräumen. "Die Leute gucken Leuten zu, die wiederum Leuten beim Kunst betrachten zugucken", beschreibt Vicente Todoli, Leiter der Tate Modern, die Lage. Mit der Erweiterung um insgesamt 23.400 Quadratmetern würde das Museum eine vergleichbare Größe wie das Centre Georges Pompidou in Paris und das Museum of Modern Art in New York erreichen.
Nicht Kleckern sondern Klotzen
Städtebaulich gesehen, soll der Anbau die Aufwertung des Südufers der Themse weiter vorantreiben. War die Gegend zwischen Westminster und Tower Bridge früher reichlich heruntergekommen, siedelten sich in den vergangenen Jahren über 20 kulturelle Anziehungspunkte wie das National Theater und das Shakespeare's Globe Theater dort an. Durch den Umbau wird sich die Hauptfassade des Museums vom Fluss weg in Richtung des Stadtviertels Southwark verlagern und damit die Nord-Süd-Achse, die von St. Paul's Cathedral über die Millenium Bridge durch die ehemalige Turbinenhalle bis zum Bezirk Southwark führt, verstärken.
Der großen Rolle, die das Museum in der Stadtentwicklung spielt, ist es zu verdanken, dass das Londoner Stadtentwicklungsbüro bereits 12,7 Millionen Dollar für den Neubau zugesagt hat. Die Pläne des Architektenduos Herzog & de Meuron sollen im Herbst geprüft werden, die endgültige Entscheidung ist für Anfang 2007 geplant. Dabei hofft man, dass dem Projekt wieder Gelder aus der National Lottery zufließen werden. In den neunziger Jahren waren dem Museum für den Umbau des Kraftwerkes bereits 90 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt worden. Da die Tate Modern inzwischen als Symbol der Kulturstadt Londons gilt und sich auch der öffentliche Widerstand gegen moderne Architektur gemildert hat, stehen die Chancen gut.
Die Schöpfer des spektakulären Anbaus, Jacques Herzog und Pierre de Meuron bleiben gelassen: "Wir sind offen dafür, bis zum Ende Dinge zu verändern." Doch bis dahin, so ähnlich haben sie das selbst formuliert, arbeiten sie nach der Devise: "Nicht Kleckern, sondern Klotzen."
hoc/AP/dpa