Televisionen: Im Bett mit Bella Block - DER SPIEGEL
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Televisionen Im Bett mit Bella Block

Die ZDF-Edel-Kommissarin löst in Irland einen Kriminalfall, aus dem Sat.1 locker drei Dramen gestrickt hätte. Spannender ist ihr Privatleben. Die ARD macht derweil aus einer "Big Brother"-artigen Versuchsanordnung einen passablen Psychothriller. Die SPIEGEL-ONLINE-Fernsehfilmvorschau.
Von Christian Bartels
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Verschwisterung von Attraktivität und Anspruch", "faszinierend vielschichtig", "wunderbar anrührend", "unfassliche Intensität" - nur die Presseabteilung des ZDF versteht es, das eigene Programm in so gewählten Worten und dennoch spürbar entzückt zu bejubeln. In diesem Fall nicht ganz zu Unrecht: Bella Block wird zehn Filme alt. Die Edel-Kommissarin (die nur lose auf der Figur der Privatdetektivin aus Doris Gerckes Romanen basiert) stand im Zentrum exzellenter Filme und gewann zu Recht viele Preise. Leider haben sich die Verantwortlichen zum Jubiläum etwas vorgenommen, das eher ordinären allwöchentlichen Krimihelden gut tut, als einer realitätsorientierten Ausnahme-Figur, die es zu acht Filmen in 10 Jahren bringt: Bella macht Urlaub und stößt auch da auf Verbrechen. Als wäre sie Miss Marple, die ebenfalls auf Schritt und Tritt lösenswerte Kriminalfälle entdeckte.

"Schuld und Liebe" (Sa., 3.3. ZDF 20.15 Uhr, Buch und Regie: Sherry Hormann) wagt am ungewöhnlich starken Anfang einen Verbrechenstatort so expressionistisch zu zeigen wie sonst nur gehobene Hollywood-Thriller. Danach sträubt sich Bella (Hannelore Hoger) noch heftig gegen den Vorschlag, ihren Geliebten Simon zum Literaturkongress nach Irland zu begleiten. Dann fährt sie doch mit. Aber anstatt beim Damenprogramm für Professorengattinnen auszuspannen, geht sie eigene Wege. Und begegnet einem deutschen Pfarrer (Herbert Knaup), der mit seiner Schwester (Annette von Klier) und deren Tochter (Cosma-Shiva Hagen) auf der grünen Insel lebt.

Klar, dass sich Deutsche, die einander zufällig in Irland begegnen, viel zu erzählen haben. Schnell erkennt Bella, dass im Hause Ellermann hinter der feuchtfröhlichen Fassade irischen Savoir-vivres viele deutsche Dramen stecken. Ein vertuschtes Kapitalverbrechen, untergetauchte Terrorsympathisanten, falsche Eltern sowie Drogenhandel und -missbrauch sind nur die prominentesten Probleme, die die Urlauberin aufdeckt. Dabei wird auch die spezifische Bella-Block-Qualität überstrapaziert, die es nur hier noch gibt, seit Clip-Kultur und Zapping-Angst die Fernsehfilmsprache bestimmen: jene Minuten langen Monologe, die nichts mit gesprochener Sprache zu tun haben, aber einfach literarisch gut sind. Dankbar muss man sein, dass wenigstens die IRA-Frage ausgeklammert bleibt. Aus diesem Füllhorn an Konfliktpotenzial hätte Sat.1 locker Stoff für drei "Große TV-Romane" geschöpft.

Als Krimi taugt "Schuld und Liebe" kaum - als reife "romantic comedy" schon. Das liegt an Simon Abendroth beziehungsweise Rudolf Kowalski, der noch von Loriot gelernt hatte, wie viel man Komik präzise unterspielt (der "Es saugt und bläst der Heinzelmann"-Staubsaugervertreter war er da) und überhaupt der Nebendarsteller des deutschen Fernsehens ist. Kowalski spielt schon lange den notwendig eher schwachen Mann an der Seite der starken Frau Block. Hier wähnt Simon, als Kongressredner endlich mal der Star zu sein... Das Klischee vom aktiven Mann und der Begleitung an seiner Seite mit repräsentativer Funktion, hat wohl noch kein Film so pointiert umgedreht wie dieser. Heitere Szenen einer wilden Ehe älterer Intellektueller lockern das schwermütige Detektionsdrama auf.

Rollenspiele in der "Big Brother"-Therapie

Nicht eben unkomplizierter, aber doch fesselnder ist da der aktuelle ARD-Thriller: Fünf Yuppie-Singles aus der Großstadt begeben sich freiwillig ohne Kontakt zur Außenwelt in ein Haus auf dem flachen Land - 1998 wäre das ein origineller Einfall gewesen. Tatsächlich entstand "Ein tödliches Wochenende" bereits damals, aber seither musste die arme ARD soviel Fußball versenden, dass sie das gar nicht üble Werk erst jetzt (Mittwoch, 7.3. 20.15 Uhr) ins Programm nehmen kann: Unter der Leitung eines teuren Therapeuten (Jürgen Hentsch) wollen die fünf (u.a. Helmut Berger, Thomas Kretschmann, Andrea Sawatzki) lernen, wie sie ihren privaten Frust am besten abbauen und im Beruf voran kommen.

Rollenspiele konfrontieren sie mit ihren dunklen Seiten und zeigen sich, dass ihre Frustrationsschwellen nicht übermäßig hoch liegen. Was aus den gespielten Auseinandersetzungen Ernst werden lässt, ist die Gewalt, die von Autos ausgeht: Ein Teilnehmer hat bei der Anreise ein Kind überfahren und an der Landstraße liegen lassen. Dessen Leben kann im Krankenhaus nicht gerettet werden. Aus dem allgemeinem Misstrauen gegenüber den fremden Psycho-Patienten und der besonderen Trauer des Vaters (Jochen Nickel) wird rasender Zorn, den kein Zeremonienmeister mehr im Griff hat.

Die Kompliziertheit des Plots machen Torsten C. Fischer (Regie) und Klaus-Peter Wolf (Buch) clever zur Prämisse, so dass ihnen ein bis zum Schluss unprätenziöser Psychothriller gelingt.

Außerdem neu:

Samstag, 3.3. ARD 9.30 Uhr: "Dreamgate"
(Regie: Brigitta Dresewski, Buch: Jörn Schröder)
Kinder-Fantasy


Sonntag, 4.3. ARD 20.15 Uhr: "Tatort: Ein mörderisches Märchen"
(Regie: Manuel Siebenmann, Buch: Daniel Martin Eckhart)
Psycho-Duell der bayrischen Kommissare mit einem festgenommenen Mörder (Hilmar Thate)


Sonntag, 4.3. ZDF 20.15 Uhr: "Eine Liebe auf Mallorca III"
(Regie: Hans Liechti, Buch: Claus Tinney)
Sascha Hehn liebt wieder


Montag, 5. März ZDF 20.15 Uhr: "Opferlamm - Zwischen Liebe und Hass" (Regie: Sigi Rothemund, Buch: Detlef Müller)
Teenie-Kinostar Tobias Schenke ("Harte Jungs") zwischen gerade aus dem Knast entlassenem Vater und Stiefvater (Helmut Zierl)


Di., 6.3. RTL 20.15 Uhr: "Doppelter Einsatz Berlin: Wehe dem, der liebt" (Regie: Dennis Satin, Buch: Stefani Straka)
Das historische Verdienst der Bella Block, die Öffnung des Berufsfelds Fernsehkommissar für Frauen, hat nicht zuletzt die RTL-Reihe "Doppelter Einsatz" quoten- und preisträchtig fortgeführt. Jetzt wird das Zwei-Kommissarinnen-Prinzip aus Hamburg nach Berlin weiter verpflanzt, in der kommenden Woche dann noch nach München: Der Fall des neuen Duos (Helen Zellweger, Ruth Reinecke) könnte zwar sonstwo spielen, ist aber immerhin inspirierter als die jüngsten Hamburger Folgen


Di., 6.3. Sat.1 20.15 Uhr: "Das Geheimnis - Auf der Spur des Mörders" (Regie: Jorgo Papavassiliou, Buch: Jacqueline Switala)
Barbara Rudnik als Gerichtsmedizinerin


Mi. 7.3. Sat.1 21.15 Uhr: "Der Pfundskerl: In bester Gesellschaft"
(Regie:Otto W. Retzer, Buch: Wolfram Winkler)
Mit Ottfried Fischer und Drafi Deutscher als Drafi Deutscher


Fr 9.3. ARD 20.15 Uhr: "Liebe, Tod und viele Kalorien"
(Regie: Dietmar Klein, Buch: Gabriele Kister)
Paula (Thekla Carola Wied) hat abgenommen, trotzdem geht der Gatte (Horst Janson) fremd


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