Televisionen: Papua - Mauritius - Berlin - DER SPIEGEL
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Televisionen Papua - Mauritius - Berlin

Das ZDF macht Papua-Neuguinea mit den Segnungen der TV-Dramatik vertraut, die ARD fliegt eine Schar gut aufgelegter Mimen nach Mauritius. Nur RTL bleibt zu Hause und arbeitet daran, dass Berlin Weltstadt wird. Die SPIEGEL-ONLINE-Fernsehfilmvorschau.
Von Christian Bartels
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Manchmal haben Paradiesvogel-Weibchen ein bisschen Haue gern. Zumindest gehen die Männchen beim Balzen ziemlich grob vor, und den Weibchen scheint das irgendwie zu gefallen. Um dieses Naturschauspiel zu beobachten, müssen der Ornithologe Patrick und seine vorgesetzte Kollegin Andrea (Katja Weitzenböck), die Nacht auf einem Hochsitz im dichten Dschungel von Papua-Neuguinea hocken. Kein Wunder, dass da Erinnerungen an ihre vor vier Jahren erloschene Liebe aufkommen und Patrick nicht gerade zur Galanterie angetrieben wird. Womit das neueste Werk des "Traumschiff"-Produzenten Wolfgang Rademann namens "Der Paradiesvogel" (Mi. 27.12. und Do. 28.12. ZDF 20.15 Uhr) bereits umrissen ist: Unter insgesamt vier Deutschen rumpelt ein Rechteck der Leidenschaften.

Eigentlich könnte sich Andrea, die das Sterben der Paradiesvögel mit den kostbaren Schwanzfedern zu untersuchen hat, auch denken, dass einer, der auf Regenwald-Expeditionen Gänseleberpastete im Rucksack hat, kein wahrer Vogelfreund ist. Erst mal aber ist sie hin und her gerissen zwischen ihrem Ex (Michael Mendl, jenem nicht mehr ganz jungen Charmeur, auf den im Allgemeinen Iris Berben oder Hannelore Elsner oder beide abfahren) und Tim, der die Lufthansa verlassen hat, um als "freier Pilot" sein Glück zu suchen. Andrea und Tim flirten Funken sprühend unter dem Einfluss der gefährlichen Drinks der Deutschen Sabine (Gaby Dohm), die in ihrem Hotel nicht nur Apfelstrudel bäckt. Mit ihr wiederum, die ebenfalls Augen auf Tim wirft, ist auch Patrick zugange, der aber natürlich auch Andrea will, mit der er gemeinsam unter einem Dschungelhäuschen-Dach haust...

Die Konflikte, die unter den Deutschen in den schwülen Tropen ausbrechen, spiegeln die Filmemacher (Regie: Peter Deutsch, Buch: Deutsch, Barbara Piazza) in den Eingeborenen wieder: Der Stamm mit den gelb angemalten Gesichtern klaut eine Leiche des Stammes, dessen Häuptlingssohn in Deutschland Medizin studiert hat. Der Zorn der Einheimischen ist ungeschliffen, aber gerecht. Sie führen kaum Tänze auf und werden vom Film fair behandelt: "Der Paradiesvogel" ist fast One-World-Fernsehen. Und die Landschaft ist schön.

Viele tausend Kilometer westlich von Papua liegt die nicht minder schöne Insel Mauritius, auf der sich zur selben Zeit (27.12. ARD 20.15 Uhr) eine Hand voll Österreicher mit weniger leidenschaftlichen Problemen herumschlägt: In der Komödie "O Palmenbaum" setzt das Ehepaar Xaver (Regie) und Ulli Schwarzenberger (Drehbuch) seinen 1998er Film "Jingle Bells" (Wiederholung am 25.12., ARD 23.20 Uhr) fort: Die damals zusammengekommenen Kati und Jonas (Martina Gedeck, Gregor Bloéb) wollen zur Weihnachtszeit ganz ohne Verwandtschaft in der Ferne heiraten. Dummerweise halten jene Anverwandten, denen sie diesen Plan anvertrauen, nicht dicht, und so fliegt ein missgestimmter Tross aus drei Generationen nach Mauritius und geht sich dort auf die Nerven.

Die Dialoge selbst sind gar nicht so witzig, aber weil zu jedem Satz die genervten Blicke und das demonstrative Stöhnen der Zuhörer gehören, spricht angemessene Misanthropie aus ihnen. So bringt "O Palmenbaum" ein zentrales Dilemma der Menschheit auf den Punkt: Die Menschen haben ein Mitteilungsbedürfnis und leiden zugleich darunter. Eine schöne Leistung des Schauspieler-Ensembles, das auf Mauritius freilich auch eine schöne Zeit verbracht haben dürfte. Ein nettes Wiedersehen gibt's mit Johanna von Koczian, die als Brautmutter mit schriller Impertinenz erfreut.

Während die öffentlich-rechtlichen Fernsehspielabteilung in exotischen Fernen drehten, arbeitet RTL hart für den Standort Berlin. Schließlich soll unsere brodelnde Weltstadt eines Tages so etwas werden wie New York, und dazu gehört ein Mythos des "Wer es hier schafft, schafft es überall", der hoffnungsvolle Talente aus der Provinz anzieht. Davon erzählt "Die Verwegene - Kämpfe für Deinen Traum" (Mi. 27.12. RTL 20.15 Uhr). Regisseur Martin Walz ist jemand, der die Grenzen des schlechten Geschmacks von beiden Seiten erkundet ("Kondom des Grauens", "Die Bademeister - Weiber, saufen, Leben retten") und auch keine Angst hat vor dem Zug ins Märchenhafte, den heimische Filmproduzenten gern "bigger than life" nennen. Das hat immerhin zur Folge, dass Walz zu den wenigen Regisseuren des deutschen Fernsehens mit eigener Handschrift gehört. Man erkennt seine Filme an der Optik und weiß nie, in welche Richtung die Reise geht.

"Die Verwegene" (Buch: Jan Berger, Linda Wendell, Michel Wallerstein) scheint für einen Moment in Richtung Ernst und Tod zu schwenken, hangelt sich an einer arg mühselig konstruierten Verwechslungs- und Erbschaftsplotte entlang und leistet sich ein paar Momente puren Trashs sowie ein paar satirische Seitenhiebe auf die aktuelle Musikszene: Das Mädchen Sophie kommt nach Berlin, um ihr Glück als Soulsängerin zu suchen, obwohl sie nur dann singen kann, wenn niemand zuschaut. Sie landet als Kellnerin in einem Schwulenclub, in dem es eine hinreißende "Titanic"- Travestie zu sehen gibt.

Am besten an dieser Wundertüte von Film ist eigentlich, wie die Schauspieler darin gucken: Jochen Nickel wirft als schwuler Clubbesitzer Blicke von dahinschmelzender Zartheit, die Hauptdarstellerin Alexandra Kalweit guckt wie Nicolette Krebitz in ihren besten Momenten. Wer es hinkriegt, dieses Machwerk jenseits von Gut und Böse so vorurteilslos und offen wie sie anzusehen, kann sich amüsieren.

Außerdem neu:

Sa. 23.12. 15.20 Uhr RTL: "Höllische Nachbarn - Chaos im Hotel"
(Regie: Sophie Allet-Coche, Buch: Arndt Stüwe)


Sa. 23.12. 20.15 Uhr ZDF: "Stubbe - Blattschuss"
(Regie: Richard Engel, Buch: Axel Plogstedt) Wirt wird ermordet, Kommissar Stubbe (Wolfgang Stumph) ermittelt.


So. 24.12. 13.30 Uhr Pro Sieben: "Die siebente Papyrusrolle (1)" (Regie: Kevin Connor, Buch: Sergio Donati u.v.a.)
Deutsch-italienischer Ägyptologen-Action in drei Teilen.


So. 24.12. 20.15 Uhr RTL: "Autsch, Du Fröhliche"
(Regie: Georgios Papavassiliou, Buch: Maria Solrun Sigurdardottir)
Neunjährige begegnet dem Weihnachtsmann und muss mit ihm vor Geheimagenten fliehen.


Mo., 25. 12. 20.15 Uhr ZDF: "Die Verbrechen des Professor Capellari: Tote schweigen nicht"
(Regie: Helmut Metzger, Buch: Thomas Kubisch, Metzger)
Behäbiger Professor (Friedrich von Thun) klärt Mordfall auf.


Di. 26.12. 14.10 Uhr ZDF: "Küss mich, Frosch"
(Regie: Dagmar Hirtz, Buch: Thomas Brückner)
Aktualisierung des Märchens vom Froschkönig.


Di. 26.12. 20.15 Uhr ZDF: "Das Traumschiff: Seychellen"
(Regie: Michael Steinke, Buch: Ulrich del Mestre, Marlies Ewald, Reiner Joachim)


Do. 28.12. 15.10 Uhr RTL: "008 - Agent wider Willen"
(Regie: Olaf Götz, Buch: Andreas Föhr, Thomas Letocha)
Völlig verunglückte Krimikomödie, immerhin mit Musik von Peter Thomas ("Hallo, hier spricht Edgar Wallace").


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