Televisionen: Übermorgen wird wie vorgestern sein - DER SPIEGEL
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Televisionen Übermorgen wird wie vorgestern sein

Im neuen Jahrtausend ist Science-Fiction das altmodischste aller Genres - zu sehen im Pro-Sieben-Dreiteiler "Dune - Der Wüstenplanet". Der ARD-Film "Herzrasen" führt unterdessen einen Kleinkriminellen ins Kuckucksnest. Die SPIEGEL-ONLINE-Fernsehfilmvorschau.
Von Christian Bartels
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Internet, Handys, Demokratie - was uns Heutigen zukunftsweisend und erstrebenswert erscheint, sind in der Menschheitsgeschichte doch bloß ephemere Erscheinungen. Nichts davon bestimmt die Zukunft. Zumindest die, die der Dreiteiler "Dune - Der Wüstenplanet" (So.- Di. 22.-24.4. Pro Sieben, jeweils 20.15 Uhr) ausmalt: Im Jahre 10191 lenken statt gewählter Präsidenten wieder Majestäten, Mylords und ehrwürdige Mütter die Geschicke der Völker. Der Adel der Geburt und des Herzens, Wohltätigkeit, Pflichtbewusstsein und Spiritualität heißen die zeitlosen Werte.

Die in Tschechien gedrehte US-Koproduktion der KirchGruppe, in der neben William Hurt und Saskia Reeves auch unser Uwe Ochsenknecht (als Fremen-Fürst Stilgar) und Italiens Giancarlo Giannini (unlängst von "Hannibal" nicht vernascht, sondern bloß gehängt) spielen, will Frank Herberts Romantrilogie werkgetreu nachzeichnen. Es geht um Machtkämpfe auf dem Planeten Arrakis, auf dem es an Wasser mangelt, aber dafür des Universums wertvollste Substanz zu finden ist: das "Spice", eine Art Kraftstoff für Mensch und Maschine.

Wenn es am Ende zum Entscheidungsschlachtgetümmel kommt, treffen Laserschusswaffen auf Fäuste und Dolche; kleine Raumschiffchen düsen umher, haben aber das Pferd nicht abgelöst. Man haust in Höhlen oder Palästen voller Säulen, eingelassener Mosaike und an die Wand gehängter Wappen. Man trägt Kostüme etwa in katholischem Purpur oder Operettenuniformen, und dazu ulkige eckige Kopfbedeckungen mit Flügelchen oben dran. Lustvoll haben die Ausstatter in den Fundus des Filmstudios Barrandov gegriffen, das zu sozialistischen Zeiten für liebevoll gemachten Märchenfilme berühmt war.

Für die Hintergründe ihrer Zukunftswelten ließen sich die Filmemacher (Regie und Drehbuch: John Harrison, Kamera: Vittorio Storaro) von Pyramiden, expressionistischen Stummfilmen und Neunziger-Jahre-Computerspielen inspirieren. Land- und Ortschaften wurden im Computer kreiert, vermelden die Produktionsnotizen stolz, dann auf 20 Meter großen Flächen ausgedruckt und von hinten beleuchtet. So muten selbst die Digitaleffekte altmodisch an, wie Matte-Paintings aus der Frühzeit des Farbfilms. An Gruseleffekte der frühen sechziger Jahre erinnern derweil die blauen Augen der Fremen, an die psychedelischen Spät-Sechziger die Schlünde der gewaltigen Sandwürmer, die in der Wüste wüten.

Weit in die Zukunft reichen die Visionen nicht, aber in alle Arten der Vergangenheit: Was einst visionär war, sieht ziemlich altmodisch aus. Diese Science-Fiction ist ein Pool hübscher Gestrigkeiten, ein Melting Pot für Jahrtausende kunterbunter Kulturgeschichte. In Teil 3 gibt es eine Szene, in der der messianische Held Paul Atreides (Alec Newman) auf einem Felsvorsprung stehend zu seinem Wüstenvolk hinab redet. Nach der eindrucksvollen Rede fließt plötzlich das ersehnte Wasser vom Felsen zu den Jubelnden hinab. Direkt darauf folgt eine Großaufnahme des Befreiers, dessen erleichterter Gesichtsausdruck so klar auf einen körperlichen Vorgang weiter unten deutet, dass sich auch der Ernst der Produktion gewaltig relativiert. Dieses "Dune" ist eine Kreuzung aus antiker Epik und Gute-Laune-Trash. Bemerkenswert ist auch die Tugend der Geduld: "Dune" nimmt sich viel Zeit, die doch arg komplexen Gesellschaftssysteme der Galaxis zu erklären. Was Gegenwartsrealismus angeht, ist derlei kaum mehr üblich. So bewusst sind sich alle der Komplexität aller Zusammenhänge, dass an deren künstlerische Gestaltung sich niemand mehr heran wagt. Wer sich überhaupt für gesellschaftliche Zusammenhänge interessiert, freut sich schon über gelegentliche unkommentierte Darstellungen von Einzelaspekten. Und kann sich daher ein wenig über "Herzrasen" (Mi. 25.4. ARD 20.15 Uhr) freuen.

Die Geschichte vom 20-jährigen Marco (Antonio Wannek), der aus dem Kreislauf der Kleinkriminalität nicht heraus und vor lauter Verweigerung in den Kreislauf psychiatrischer Untersuchungen hinein kommt, zeichnet sich zwar nicht gerade durch Zwischentöne aus, aber sie tut immerhin auch nicht so. Der Protagonist, aus dessen harter Schale der weiche Kern immer hervor lugt, redet wenig und artikuliert sich erst recht nicht. Weder das Aufeinandertreffen von dreckigem Straßenleben und Yuppie-Protz, noch das von falsch lächelnder Karrieristin und trauriger Verliererin im Wettkampf um die Arbeitsplätze ist subtil. Aber auch auf der Plot-Ebene ist die Liebesgeschichte von Marco und dem Mädchen Isa (Lena Lauzemis) einfach gestrickt. Und die Bonnie-und-Clyde-Schiene, auf die beide zu steuern scheinen, mündet bloß in den üblichen Traum aller Deutschen. Sie fahren halt in die Sonne.

Insofern setzt sich dieser bescheidene Fernsehfilm (Regie: Hanno Brühl, Buch: Franz Liersch) im Rahmen seiner durchaus dramatischen Story einen Anspruch, den er erfüllt. Lapidar und dokumentarisch zeigt er seinen Zuschauern die Psychiatrie zwischen Konfrontationstherapie und Kuckucksnest und andere Milieus, die sie nicht kennen. Was sich von den Milieus des 11. Jahrtausend nicht behaupten lässt.

Außerdem neu:

So. 22.4. ARD 20.15 Uhr: "Tatort: Der Präsident"
(Regie und Buch: Thomas Bohn)
Der Polizeipräsident verunglückt tödlich, Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) muss heraus finden, wer seinen Wagen manipuliert hatte.


So. 22.4. ZDF 20.15 Uhr: "Wilder Kaiser: Der Wolf"
(Regie: Christoph Klünker, Buch: Barbara Engelke, Bele Nord)
Alpiner Quatsch mit Michael Roll und Sascha Hehn.


Mo. 23.4. ZDF 20.15 Uhr: "Nicht ohne dich" (Regie: Diethard Klante, Buch: Gareth Jones, Fiona Howe)
Sophie und Kai sind seit 15 Jahren verheiratet, haben zwei Kinder und alles erreicht, wovon sie immer träumten. Doch ihre Ehe ist eine tickende Zeitbombe.


Mi. 25.4. RTL 20.15 Uhr: "Wenn eine Mutter ihr Leben verspielt"
(Regie: Jorgo Papavassiliou, Buch: Katrin Weber-Klüver)
Als Verkäuferin in einer Edel-Boutique gerät Mona (Franziska Petri) in Kontakt mit der High Society, verfällt der Spielsucht und führt fortan ein selbstzerstörerisches Doppellleben.


Fr. 27.4. ARD 20.15 Uhr: "Der Bestseller"
(Regie: Celino Bleiweiß, Buch: Erich Tomek)
Krimi-Autor Leo (Ottfried Fischer) gerät auf Gran Canaria in echte kriminelle Verwicklungen, die ihn immerhin aus seiner Schaffenskrise befreien.


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