Televisionen: Vorspiel unterm Postkartenhimmel - DER SPIEGEL
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Televisionen Vorspiel unterm Postkartenhimmel

Der Zölibat ist kein ganz heißes Eisen mehr, aber trotzdem Gegenstand eines entspannten österreichischen "Tatort" mit Sophie Rois. In Garmisch-Partenkirchen macht die ARD derweil den deutschen Sinatra ausfindig. Die SPIEGEL-ONLINE-Fernsehfilmvorschau.
Von Christian Bartels
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Chefinspektor hat bei der Kommissarin geschlafen, aber nicht mit ihr, was er aber schon gewollt hätte, worüber beide aber nicht so recht sprechen wollen. Irgendwie jedenfalls sind die Kriminalisten, die im letzten Sommer gemeinsam den Fall des gekreuzigten gelöst haben, ineinander verliebt. Der Prozess gegenseitiger Annäherung und Abstoßung legt sich über den "Tatort: Böses Blut" (So. 22.7. ARD 20.15 Uhr). Das mentale Vorspiel, eine bittersüße Vorfreude, taucht ihn in angenehme Atmosphäre.

Außerdem sind die beiden Ermittler im Urlaub. Kommissarin Roxane Aschenwald (herb-heiser wie immer: Sophie Rois) wird trotzdem wegen eines Mordes ins Dorf Oberleis gerufen. Chefinspektor Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) hat nichts Besseres vor und begleitet sie in die Tiroler Berge. Unter dem Postkartenhimmel ist die Haushälterin des Pfarrers (Bernhard Schir) ermordet worden. Roxane erkennt schnell, dass der Achterknoten, mit dem das Opfer gefesselt wurde, einer ist, wie sie ihn selbst in der katholischen Jungschar lernte, in der auch heutige Tiroler Teenies noch mit ihren Geistlichen als Cowboys und Indianer über grüne Wiesen toben. Denn Roxane stammt aus den Bergen und kennt alle und jeden hier. Eisner dagegen ist der distanzierte Fremde, der vor allem deswegen viel beobachtet und befragt, weil er an keine Frau heran kommt, obwohl er ja eigentlich auf Roxane fixiert ist.

Aus der Sicht der beiden lernt man Einheimische und damit die Verdächtigen kennen: zwei Jungschar-Kids etwa, die zwar sehr groß sind, aber doch nur ans Essen denken, und die "Pfaffengeile", was im Österreichischen ein so geläufiger Ausdruck sein muss wie Dorfdepp. Wenn jene, die Maurergattin Margit (Christine Neubauer), beim Abendmahl dem Leib Christi aus des Pfarrers Hand lüstern die Zunge entgegenstreckt, während ihr tief im Dekolleté das Kreuz baumelt, mag es den einen oder anderen Katholiken hinter dem Ofen hervorlocken. Ein wichtiger Grundstein der "Coolness" hindert diesen "Tatort" aber daran, sich in gestriger Kirchenkritik zu verlieren: das Bewusstsein, dass unterschiedliche Dinge unterschiedlichen Menschen eben unterschiedlich wichtig sind.

Eher entspannt als spannend, aber spirituell stimmig, ist Peter Sämann (Regie) und Felix Mitterer (Buch) ein hübscher Heimatkrimi gelungen. Auch wenn die Bandbreite zwischen besonders profanen Objekten, wie der Pfarrersmatratze als Beweisstück fürs Labor, und besonders großen Worten à la "Heute kann die Kirche uns nicht mehr sagen, was verbotene Liebe ist" - ausgerufen mit einer Emphase, als hätte sie es gestern noch gekonnt - dann doch ein wenig überstrapaziert wirkt.

"Wenn's Leben kimmt"

Nicht jedes Vorspiel ist eine Freude - das demonstriert nachhaltig die ARD-Produktion "Sommerwind" (Mi. 25.7. 20.20 Uhr), die sich unter ähnlichem Postkartenhimmel in Bayern abspielt. Zunächst scheinen Werner Siebert (Regie) und Michael Gruber (Buch) sage und schreibe vier Generationen von zur Filmfigur-gewordenen Töpfen bedeckeln zu wollen: Da ist erstens der Protagonist, der rüstige Rentner Max Meindl (Siegfried Rauch) aus Garmisch-Partenkirchen. Der hat zweitens eine Tochter, die als geschiedene Werberin allein steht, drittens einen schüchternen Enkel, der gerade die erste Liebe anstrebt, und viertens einen väterlichen Freund, der bereits im Seniorenheim haust, aber noch ganz gern schäkert.

Des weiteren konzentriert sich der Film auf zwei Liebesgeschichten: Der Enkel himmelt eine Floristin an, Meindl lernt die flotte Witwe Anna (Heidelinde Weis) kennen, die im Seniorenheim ihre Mutter besucht und noch kraftvoll in Äpfel beißt. Doch obschon die schauspielernden Damen das Glück nach Leibeskräften aus ihren Augen stieren lassen, bringen weder Enkel noch Opa, der beim Bäumefällen, beim Aufräumen seines Trachtenholzhäuschens und beim Cabrio-Cruisen über Landstraßen immer besinnlich-mürrisch drein schaut, die entscheidenden drei Worte über die Lippen. Und erleben auch sonst nichts Aufregendes.

Beim Tanztee im Wirtshaus kommt es sodann zum traurigen Höhe- oder auch heiteren Tiefpunkt: Meindl geht ans Mikrofon und singt Sinatras "Summer Wind" auf bayrisch: "Es gibt kei Na, es gibt kei Ja, wenn's Leben zu Dir kimmt. Sommerwind". Leider feiert der Song weniger die große Liebe als verwehende Glücksmomente und taugt also auch nicht zur Liebeserklärung, auf die Anna so lange wartet. Sie strahlt weiterhin wie bekifft, was zwar auffängt, dass ihre schwerkranke Mutter aus der Filmhandlung verschwunden ist, aber doch auf die Nerven geht. Als gefühlte Dauer des Films und Echtzeit bereits in ein erfreulich gesundes Verhältnis zueinander geraten sind und Meindl endlich doch seine Liebe erklärt hat, fragt Heidelinde Weis mit der Pädagoginnenhaftigkeit reifer Frauen: "War es denn so schwer?" Oh ja.

Außerdem neu:

So. 22.7. ZDF 22.00 Uhr: "Liebe deinen Feind (1)"
(Regie: Damiano Damiani, Buch: Damiani, Graziano Diana)
Geläuterter Gangster wird Priester. was den Mafioso Nisticio (Mario Adorf) erzürnt. Zweiter Teil am Sonntag darauf.


Mi 25.7. Sat.1 21.15 Uhr: "Mein Partner auf vier Pfoten: Der Ring des Löwen"
(Regie: Antonio Bonifacio, Buch: ungenannt) Vorletzter Film der Hundekrimi-Reihe.


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