Televisionen: Wüste Wüstenabenteuer - DER SPIEGEL
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Televisionen Wüste Wüstenabenteuer

Pünktlich zur Urlaubszeit warnen Spielfilme vor Gefahren, die in touristischen Paradiesen lauern können. Filmisch allerdings machen weder der australische Rucksackmörder noch verhängnisvolle Flirts in nordafrikanischen Urlaubsclubs viel her. Die SPIEGEL-ONLINE-Fernsehfilmvorschau.
Von Christian Bartels
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In den Alpen wird ausgelassen Abitur gefeiert, in Australiens Einsamkeit fällt ein Autofahrer über Anhalter her. Gleich am Anfang springt "Abschied in den Tod" (Sa. 26.5. ARD 22.55 Uhr) über mehrere Ozeane hinweg und zurück. Ist das Globalisierung? Die Rückkehr alter Montagetheorien, wonach alles mit allem zusammen hängt, sofern Filmschaffende es in Beziehung setzen?

Bekannt ist, dass hinter dem Film gar kein Filmschaffender mehr steht. Die bereits 1999 auf englisch gedrehte Koproduktion des australischen "Rucksackmörder"-Falls machte ein paar Schlagzeilen wegen Gerichtsstreit zwischen dem Regisseur und den Produzenten, die ihn entlassen wollten - interessant unter Aspekten des Urheberrechts. Und gleichzeitig skurril, weil Regisseur Martin Buchhorn zugleich Fernsehspielchef des Saarländischen Rundfunks ist, also sowohl Auftragnehmer als auch Auftraggeber der Produzenten. Aber eigentlich irrelevant. Denn was nun zu sehen ist (Buch: John Reeves, nach einer Idee von Martin Buchhorn, entwickelt von Mike Bäuml), macht weder den Eindruck eines Kunstwerks, noch den, dass es unter anderen Umständen eines hätte werden können.

Mit drastischen Verbrechensszenen will sich die von der juristisch siegreichen Produzentenseite verantwortete Szenenfolge bei der Samstagspätabends-Klientel anbiedern, mit einem Hauch Mutter-Tochter-Drama beim ARD-Stammpublikum, mit "ganz schön krassem" Jargon bei der Jugend und mit einem feschen einheimischen Polizisten bei den Australiern, die sich ihre Coolness-Ideale aus der Miami-Vice-Ära bewahrt zu haben scheinen.

Julia (Denise Zich) also jettet nach dem Abitur Down under, um das Abenteuer und ihren Onkel zu suchen. Gleich am Flughafen stecken ihr zwei Junkies Heroin ins Gepäck, das die Nichtsahnende gleich darauf per Post an den Onkel schickt, weshalb sich die Junkies an ihre Fersen heften. Weil in Australien zugleich ein Anhalter-Serienkiller umgeht, macht sich die besorgte Mutter (Susanne Lothar) auf, nach Julia zu suchen, und lernt den charmanten Cop (Craigh McLachlan) kennen. Und manchmal wird ein Song eingespielt, der sich anhört wie maßgeschneidert für den Musikgeschmack der schlimmsten deutschen Radiosender: "I'm always looking for those wide open spaces/ feeling good and the air is pure." Was zumindest andeutet, dass die grammatikalisch-semantischen Qualitäten der Originalfassung auch nicht höher sind als die der notdürftig eingedeutschten Sätze.

Dann kommt Onkel Max ins Spiel, als der Dieter Laser (lange nicht gesehen: der böse Reporter aus "Die verlorene Ehre der Katharina Blum") äußerst verworfen dreinschaut. Ein paar Schnitte suggerieren, dass der Deutsche mit den kräftigen Händen der Mörder sein muss. Als aber Julia den Onkel mit dem Verdacht konfrontiert, konfrontiert er sie mit der Auskunft, dass er ihr Vater ist. Womit die Mutter das Publikum schon vorher konfrontiert hatte - wie sich die Handlungsfülle immer wieder in ein Nullsummenspiel auflöst, längst bevor der Film in einem Wüstenshowdown verendet, verblüfft dann doch. Zumindest eher als der ziemlich kleine gemeinsame Nenner, den deutsche und australische Krimimuster noch finden: Der wahre Mörder ist nie der, der am bösesten guckt.

Wenn dagegen ein deutscher Weltmann (Bruno Eyron) verführerische Blicke aus dem Sehschlitz seines Wüstenkriegerturbans wirft und die beliebte TV-Moderatorin Jessica Stockmann mit rot-brünetter Ponyperücke als Webcamsadomasonutte auftritt - sind das eindeutige Parodiesignale, denen aller erotisch gemeinter Ernst des filmischen Umfelds nichts anhaben kann. Das immerhin hat ProSiebens "Holiday Affair" (Do. 31.5., 20.15 Uhr) dem ARD-Thriller voraus.

Als die Protagonistin Sabine mit ihrem Sohn, aber ohne ihren beschäftigten Gatten in den tunesischen Urlaubsclub reist, bleibt das Taxi in der Wüste stehen. Rettend greift jener Wüstenkrieger ein, der eigentlich Besitzer einer schicken Yacht ist und über den Sohn das Herz der Mutter erobert. Er absolviert mit ihr ein hübsches Liebesspiel, indem er sie mit Rosenblättern übersät, was sich angenehm abhebt von der verbreiteten Fernsehsitte, Sex immer nur im Schein Hunderter Kerzen stattfinden zu lassen.

Als Sabines Gatte auftaucht, wird aus dem Flirt ein Problem, das sich elegisch zurück ins verregnete Hamburg schleppt, und eine unentschlossene Melange aus Ehedrama, in dem vernünftige Erwachsene Sätze sagen wie "Alle großen Liebesgeschichten sind tragisch" und üblichem "Verhängnisvolle-Affäre" Schema mit Kindesentführung und derlei retardierenden Elementen.

Es liegt wohl an Ursula Karven in der Hauptrolle, die entzückend entrückt guckt, dass der Film (Regie: Uli Möller, Buch: Carolin Hecht, Jochen Pahl, Thomas Hernadi) seine Langeweile zunächst kaschieren kann, bevor sie auf hohem Niveau weiter anschwillt. Manchmal sagt Sabine kluge Dinge. Als der aufdringlicher Verehrer schicksalsschwer "Man kann nicht einfach aufhören!" raunt - es geht natürlich um die Liebe - entgegnet sie nur: "Doch, das kann man." Eben.

Außerdem neu:

So. 27.5. ARD 20.15 Uhr Stahlnetz: Das gläserne Paradies (Regie: René Heisig, Buch: Friedrich Ani) Hannoveraner Kommissare (Michael Mendl, Felix Eitner) kommen Schlepperbande auf die Spur, die Kinder aus Rumänien einschleust und zum Diebstahl zwingt.

So. 27.5. ZDF 20.15 Uhr Der Club der grünen Witwen (Regie: Udo Witte, Buch: Marte Cormann) Vorstadtdamen denken sich Mordpläne aus. Mit Ursula Karven ("Holiday Affair") und Hotte Buchholz.

Mi. 30.5. RTL 20.15 Uhr All Arrabiata - Eine kochende Leidenschaft (Regie: Hano Salonen, Buch: Rolf und Renee Karthee) Koch und Kleingauner Marco Rossa (Thomas Lehmann) muss sein Restaurant retten und verliebt sich.

Mi. 30.5. ARD 20.15 Uhr Es muss Liebe sein (Regie: Felix Dünnemann, Buch: Rudolf Bergmann, Gabi Decker) Familienvater und Hausmann (Michael Fitz) kommt auf die Idee, seine Rockband von vor 20 Jahren wieder zu beleben. Pilotfilm zu einer 15-teiligen Familien-Serie.

Fr. 1.6. ARD 20.15 Uhr Sieben Tage im Paradies (Regie: Dietmar Klein, Buch: Beate Langmaack) Affären um Amouren und Immobilien auf Mallorca. Mit Michael Roll und Sky du Mont ("Eyes Wide Shut").

Arte 1.6. 20.45 Uhr Polt muss weinen (Regie: Julian Roman Pölsler; Buch: Pölsler, Susanne Freund nach dem gleichnamigen Roman von Alfred Komarek) Rätselhafter Todesfall in niederösterreichischem Weinbauerndorf.

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