Teure Exklusivrechte: ARD-Programmdirektor übernimmt Verantwortung - DER SPIEGEL
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Teure Exklusivrechte ARD-Programmdirektor übernimmt Verantwortung

Die Kritik an den Exklusivverträgen der ARD mit Radprofi Jan Ullrich erreicht die Senderspitze: Programmdirektor Struve übernahm heute die Verantwortung. Er gestand, den Vertrag nicht gelesen zu haben. Weitere Verträge dieser Art werde es in Zukunft nicht mehr geben.
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Köln/Berlin – Struve hatte im Vorfeld zugegeben, dass es besser gewesen wäre, auf die Zahlungen an den Radsportler zu verzichten. Er übernahm die Verantwortung für die umstrittenen Verträge. "Das war ein kollektives Versäumnis. Viele hätten den Vertrag lesen können, aber ich hätte ihn lesen müssen." Auch WDR-Intendant Fritz Pleitgen äußerte sich kritisch zu den ARD-Geheimverträgen. Auf WDR 5 nannte er die Abmachungen einen Fehler und räumte ein: "Dafür sind wir Intendanten am Ende mitverantwortlich. Das können wir nicht irgendeinem Mitarbeiter zuschieben."

Ullrich hatte von 1999 an Honorare für Interviews, Auftritte in Talkshows und Reportagen erhalten. Zuletzt sollen ihm jährlich 195.000 Euro gezahlt worden sein. Pleitgen deutete an, dass auf der nächsten Sitzung der ARD-Intendanten in Schwerin neue Vorkehrungen beschlossen werden. Die Details des Ullrich-Vertrags werde man dort genau prüfen. Vor allem gehe es darum, dafür zu sorgen, dass "in Zukunft derartige Dinge nicht wieder geschehen". Personelle Konsequenzen befürworte er aber nicht.

Pleitgen wies auch darauf hin, die ARD habe im Zusammenhang mit der Doping-Affäre durchaus kritisch über den Radprofi berichtet. Ebenso wie Struve bedauerte er die Erneuerung der Verträge im Jahr 2003. Der Exklusivvertrag war von 2002 bis 2003 ausgesetzt, da Ullrich zu dieser Zeit schon einmal unter Doping-Verdacht gestanden hatte und für sechs Monate gesperrt war. Allerdings habe Ullrich zu diesem Zeitpunkt nicht im Wettbewerb gestanden und sich sehr reumütig gezeigt, so Pleitgen.

Man habe an echte Reue geglaubt, sagte auch Programmdirektor Struve. "Hinterher ist man eben immer schlauer." Allerdings habe sich die ARD abgesichert: Erwiesenes Doping sei von Anfang an ein Kündigungsgrund gewesen. Da man jedoch die Sorge hatte, die privaten Sender RTL und Sat.1 könnten beim Rechtepoker um die Tour de France und Ullrich mitbieten, habe man sich entschlossen, die Verträge wieder aufzunehmen. Weiter erklärte Struve heute Nachmittag, dass die ARD aus dem Vertrag mit Ullrich Konsequenzen ziehen und leistungsbezogene Kontrakte nicht mehr abschließen werde. "Das war eine Schnapsidee. Einen Vertrag mit einem Sportler leistungsbezogen zu machen, ist falsch gewesen", sagte Struve.

Kritik an der Vorgehensweise des gebührenfinanzierten Senders kam unterdessen auch von Seiten der Politik. Nachdem bereits Politiker von SPD, CDU und Linkspartei dazu aufriefen, Lehren aus der Affäre zu ziehen, fordert die FDP Sonderprüfer, die "die öffentlich-rechtlichen Anstalten auf weitere Geheimverträge und schwarze Kassen" überprüfen. Man habe Zweifel daran, dass die Selbstkontrolle der Anstalten durch ihre Fernsehgeräte noch funktioniere und warf der ARD vor, "verschwenderisch" mit dem Geld der Gebührenzahler umgegangen zu sein.

Auch von Seiten der Deutschen Journalisten-Union (dju) in der Gewerkschaft ver.di kam Kritik. Die dju bezeichnete die Ullrich-Verträge als Gefahr für die Unabhängigkeit der journalistischen Berichterstattung. Wenn Berichterstatter und ihr Gegenüber zu Geschäftspartnern würden, werde journalistischer Objektivität und Qualität die Basis entzogen. Ähnlich äußerte sich auch der Hamburger Journalistikprofessor Siegfried Weischenberg, der die Zahlungen als "skandalös" bezeichnete.

nkl/ddp/dpa/AP