Theater: Auf der Suche nach Hamlet - DER SPIEGEL
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Theater Auf der Suche nach Hamlet

Wer ist Hamlet, und vor allem wo, in dieser globalisierten Welt mit ihren multikulturellen Gesellschaften? Diese Frage blieb auch am Ende der Premiere von "search:hamlet" im Kopenhagener Betty Nansen Theatre am Mittwoch unbeantwortet.
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Doch die Suche nach Hamlet, inszeniert von dem asiatischen Regie-Exentriker Ong Keng Sen, 38, geriet zu einer außerordentlichen Performance. Die gänzlich freie und aus dem Rahmen fallende Adaption des Stoffes gestaltete sich so aufregend und zugleich ungewöhnlich, dass die Inszenierung, die im kommenden Jahr auf große Asien-Tournee geht, zu einem Kassenschlager werden dürfte.

Wie schon bei seinen ausgefallenen Produktionen von King Lear oder Othello bediente sich der künstlerische Direktor des Projekts Theatre World in Singapur auch des Shakespeare-Klassikers bestenfalls als eine Art kultureller Steinbruch. Kein "Sein oder Nichtsein", von Hamlet keine Spur - die Hauptperson ist die ganze Zeit abwesend. Auf seine Fährte begeben sich andere Charaktere des Stücks - ganz hervorragend dabei die dänische Pop-Muse Dicte und, als Erzählerin, die schwedische Aktrice Charlotte Engelkes.

"search:hamlet" ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Kultur-Mix aus japanischem klassischen Ballett, dänischer Rockmusik, malaysischem und thailändischem Tanztheater, traditioneller asiatischer Musik, balinesischem Maskentanz und klassischer westlicher Sprechbühne - dargebotenen von Künstlern unterschiedlichster Nationen. Die Premiere hat Ong Keng Sen bewusst auf den 11. September gelegt, um demonstrativ für ein besseres Verständnis zwischen den Kulturen zu werben.

Seine Hamlet-Performance, die im Sommer in anderer Form sechs Mal im historischen Hamlet-Schloss Kronborg bei Helsingør gezeigt wurde, sei auch "ein politischer Kommentar", sagt der Regisseur. Kein Wunder, dass manche Episode, etwa das Eintreten für kulturelle Freiheiten und gegen gesellschaftliche Spießbürger, wie eine Demonstration an die Adresse der neuen Mitte-Rechts-Regierung in Kopenhagen wirkte. "Ich weiß nicht, wo Hamlet ist", sagt die Erzählerin am Schluss des Stücks, "aber es lohnt sich, nach ihm zu suchen".

Die eigenwillige Hamlet-Inszenierung ist Teil der "Kulturbro 2002". Die Biennale will mit über 100 Aufführungen, Ausstellungen und Premieren in der Øresund-Region eine kulturelle Brücke zwischen Dänemark, Schweden und Deutschland schlagen. Höhepunkt soll ein neues Stück von Robert Wilson sein, der aus Anlass des 100-jährigen Geburtstages des weltberühmten dänischen Designers und Architekten Arne Jacobsen ein Ein-Personen-Kabarett schreibt und inszeniert. Premiere von "The White Town" ist am 24. Oktober im von Jacobsen entworfenen Bellevue-Theater vor den Toren Kopenhagens.

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