Theater: Calixto Bieito - DER SPIEGEL
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Theater Calixto Bieito

Sex, Gewalt, Drogen: Der spanische Skandalregisseur inszeniert Shakespeares "Macbeth" als modernen Schotten-Schocker.
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ie mit versifften Polstermöbeln, einer Fototapete und vielen leeren Flaschen provisorisch gestaltete Probendekoration stellt das Wohnzimmer der Familie Macbeth dar. Die Frau des Hauses (Anne Tismer) ist gerade dabei, ihren Ehemann (Andreas Grothgar) zu einem Mord anzustiften, als plötzlich ein Dritter auf die Bühne springt und begeistert in die Hände klatscht: Calixto Bieito, 38, der für die Salzburger Festspiele Shakespeares Schotten-Schocker "Macbeth" inszeniert, hat soeben eine erotische Situation entdeckt. Und wenn Señor Bieito etwas sexy findet, hält es ihn nicht länger auf seinem Stuhl.

Mit einigen drastischen Sex-Szenen in seiner Londoner Inszenierung von Mozarts "Don Giovanni" hat der Spanier erst vor wenigen Wochen seinen in den vergangenen Jahren erarbeiteten Ruf als Skandalregisseur bestätigt. "Ich mag Sex auf der Bühne", gesteht Bieito. Die Aufregung darüber kann er aber nicht nachvollziehen. "Im Kino haben die Leute kein Problem mit Sex oder Gewalt, sehr wohl aber auf der Bühne. Das finde ich falsch. Mir geht es nicht um Provokationen, sondern um Emotionen."

Calixto Bieito ist in Barcelona aufgewachsen, wo er seit zwei Jahren ein 600-Plätze-Theater leitet. So weit wie die Kollegen von der katalanischen Terrortheatertruppe La Fura dels Baus ("Sie mögen meine Produktionen, und ich mag ihre") geht Bieito in seinen Arbeiten nicht, aber: "Eine Aufführung sollte so intensiv und aufregend sein wie ein Stierkampf. Das Publikum muss sich ständig fragen: O mein Gott, was passiert jetzt?"

Die internationale Szene betrat der wilde Mann aus Katalonien, der bei der Probe einen freundlichen Eindruck macht, mit einer englischsprachigen Inszenierung des Calderón-Klassikers "Das Leben ein Traum", die 1998 beim Festival von Edinburgh als Sensation gefeiert wurde. Nun kann man das "Power-Theater von höchster Körperlichkeit" ("Süddeutsche Zeitung") erstmals auf deutschsprachigen Bühnen erleben ­ nach den Salzburger Festspielen nimmt der scheidende Schauspielchef Frank Baumbauer die Inszenierung mit an die Münchner Kammerspiele.

Aus dem Mittelalter verlegt der Regisseur die Tragödie in das Großbritannien von heute ­ die Macbeths sind nun eine Mafia-Familie, die mit Drogen handelt. Und für die neuzeitliche Darstellung der Hexen, die Macbeth mit ihren Prophezeiungen um den Verstand bringen, ließ sich Bieito von Wahrsagerinnen aus dem spanischen Privatfernsehen inspirieren. "Ich glaube nicht an Hexen und all diesen übersinnlichen Kram. Ich glaube auch nicht daran, dass man in die Hölle kommt. Aber ich glaube daran, dass die Hölle hier drin sein kann", sagt Bieito und tippt sich an den Kopf.

Wolfgang Kralicek


"Macbeth", Salzburger Festspiele, ab 28.7., Tel. 0043/662/804 55 79.