Theater: Die Spielmacherin - DER SPIEGEL
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Theater Die Spielmacherin

Ihr Sinn für Witz und Traurigkeit hat der jungen Regisseurin Jorinde Dröse schon viel Lob beschert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Held in ihrer aktuellen Theaterarbeit sei ein junger Mensch, "der sich immer nur durchlaviert und nie wirklich Verantwortung übernehmen will", sagt Jorinde Dröse über das Stück "Opfer vom Dienst", das sie nun in Wiesbaden herausbringt. Ganz fremd scheint ihr diese Haltung nicht zu sein: "Da muss man dauernd Entscheidungen treffen, das kann ich nie", habe sie übers Regieführen gedacht, als sie als Gymnasiastin im Schülerclub des Frankfurter Schauspiels mitmischte.

Inzwischen ist Dröse 27 Jahre alt - und liefert mit dem "Opfer"-Stück der russischen Gebrüder Wladimir und Oleg Presnjakow bereits ihre 13. Inszenierung ab, "wenn man meine Ausbildungsarbeiten mitzählt". Aufgewachsen ist sie in Hanau, studiert hat sie an der Münchner Theaterakademie und an der Hamburger Uni - und schon in München legte sie ihre Scheu vor dem Regieberuf ab. Sie hospitierte beim Regisseur Andreas Kriegenburg und kapierte, "dass der, so toll ich ihn finde, ganz vieles nicht weiß. Der setzt sich einfach mit den Schauspielern zusammen, daraus entstehen Kreativität und genaues Hinsehen". Den Rest der Furcht, dass sie womöglich nichts Originelles zu erzählen habe, verlor sie im Probenraum: "Als ich angefangen habe zu inszenieren, habe ich selber gestaunt - wow, das ist schon ganz schön eigen, was mir da einfällt."

Dröse spricht derlei Selbstlob mit einer Aufgekratztheit aus, die auch ihre Inszenierungen auszeichnet: Nicht ganz zu Unrecht gilt sie als Spezialistin für Glück und Elend der Pubertät. Die Aufregung beim Rauchen der allerersten Zigarette im Schwimmbad, die kleinen Missverständnisse einer Teenager-Liebe, die Verwirrung eines Mädchens beim ersten Sex ihres Lebens: Das alles zeigte sie in temporeichen, comicbunten Aufführungen wie "The Killer in Me is the Killer in You My Love" am Hamburger Thalia Theater oder "Was ihr wollt" im Münchner Volkstheater mit viel Sinn für Spielwitz und Melancholie. Sie selbst sagt, es ziehe sie nach dem "lustigen, aber nicht besonders ausgefeilten" Presnjakow-Stück nun zu ernsteren, klassischen Stoffen wie "Emilia Galotti"; immer aber gehe es ihr darum, "dranzubleiben an den Figuren", keine Lacher und keine vorschnellen moralischen Urteile zu provozieren, kurz: "was über Menschen zu erzählen, ihre Lust und ihre Traurigkeit".

Wolfgang Höbel


"Opfer vom Dienst". Premiere am 7.5. im Rahmen der Internationalen Maifestspiele Wiesbaden, Tel. 0611/13 23 25, www.staatstheater-wiesbaden.de