Theater: Ein deutscher Fall - DER SPIEGEL
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Theater Ein deutscher Fall

Der Regisseur Hasko Weber begann seine Karriere in Dresden ­ und wird bald Intendant in Stuttgart.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eigentlich wollte er Deutschlehrer werden, bewarb sich während des Dienstes in der Volksarmee aber doch an der Schauspielschule in Leipzig. Seine Freundin studierte schon Germanistik in der Heldenstadt. Einmal mehr stand eine Frau am Anfang einer Männerkarriere. Trifft man Hasko Weber, 40, heute während der Proben zu Horváths "Die Bergbahn", erlaubt er sich bei der Erinnerung an alte Zeiten ein seltenes Lächeln. Ansonsten wirkt er, als denke er ausschließlich an seine Regiearbeit.

Weber ist Hausregisseur am Stuttgarter Staatsschauspiel. Noch. 2005 löst er den ans Hamburger Schauspielhaus wechselnden Intendanten Friedrich Schirmer ab - und kann auf eine Ost-West-Karriere zurückblicken. Seine erste bedeutende Station als Regisseur war Dresden, wo er zum Schauspieldirektor aufstieg. Das war nach dem Mauerfall und hatte zur Folge, dass man im Schwäbischen auf ihn aufmerksam wurde. Schnell war er in ganz Baden-Württemberg als Regisseur gefragt und brachte innerhalb kurzer Zeit Schwergewichte wie Lessings "Nathan der Weise", Shakespeares "Kaufmann von Venedig" und Ibsens "Peer Gynt" auf die größten Bühnen des Landes.

Dabei hinterließ er den Eindruck, gelegentlich ohne erkennbare eigene Handschrift zu inszenieren. Das nimmt er gelassen. "Ich habe durchaus Sehnsucht nach geordneten Stoffen und stimmigen Strukturen. Wenn man das texttreu nennt, habe ich keine Probleme damit, textgenau wäre mir allerdings lieber." Sobald er Intendant ist, will Weber Strukturen am Stuttgarter Staatstheater verändern, in allen künstlerischen Abteilungen aufräumen. Zur Seite steht ihm eine Frau: Eva Heldrich, die zurzeit noch eines der wichtigsten Nachwuchslabore der Republik, die Dresdner Nebenspielstätte "Theater in der Fabrik", leitet. Die beiden kennen sich aus alten Dresdner Zeiten.

Jürgen Berger


Die Bergbahn. Premiere am 6.3. im Schauspielhaus Stuttgart, Tel. 0711/20 20 90.