Theater Einar Schleef erlag seinem Herzleiden
Berlin - Claus Peymann, Intendant des Berliner Ensembles, zeigte sich tief betroffen. "Ein unbeugsames Genie hat die Szene verlassen", hieß es am Mittwoch in einer Erklärung Peymanns, der gerade bei den Salzburger Festspielen engagiert ist. "Das deutsche, das europäische Theater hält den Atem an."
"Der wahnwitzige Theatermacher Einar Schleef könnte von Thomas Bernhard erfunden sein", heißt es in Peymanns Erklärung. Schleefs Inszenierung von Elfriede Jelineks Werk "Ein Sportstück" sei ein Höhepunkt seiner Zeit als Direktor des Wiener Burgtheaters gewesen, betonte Peymann. Schleef sollte am Berliner Ensemble im vergangenen Januar bei der Uraufführung von Jelineks "Macht nichts - Eine kleine Trilogie des Todes" Regie führen, was wegen des kritischen Gesundheitszustands Schleefs auf Anfang kommenden Jahres verschoben worden war. Auch seine beiden für Mai und Juni bei den Wiener Festwochen geplanten Premieren mussten abgesagt werden.
Mit Trauer und Bestürzung haben auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und die Kultursenatorin Adrienne Goehler auf den plötzlichen Tod des Regisseurs reagiert. Wowereit sprach von einem außerordentlichen Verlust für die deutschsprachige Theaterwelt. Goehler meinte, Schleef habe mit der ihm eigenen, mitunter umstrittenen und viel diskutierten Theatersprache die deutschsprachigen Bühnen über Jahrzehnte hinweg geprägt.
In Österreich, wo Schleef Triumphe gefeiert hatte, zeigte sich Kulturstaatssekretär Franz Morak bestürzt über dessen Tod. "Einar Schleef hinterlässt eine tiefe Lücke in der europäischen Theaterlandschaft", betonte er. Auch am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin löste die Nachricht vom Tod Schleefs Betroffenheit aus. Der Intendant Joachim Kümmritz sagte: "Er galt ja als schwierig, aber ich habe ihn sehr schätzen gelernt." In Schwerin wurden seit 1995 drei Schleef-Stücke mit dem Titel "Totentrompeten" über drei alte DDR-Damen uraufgeführt.
Schleef starb offenbar einen sehr einsamen Tod. Das Krankenhaus, in dem er bereits am 21. Juli starb, hatte sich auf der Suche nach Angehörigen Hilfe suchend an sein Anwaltsbüro gewandt, das am Mittwoch die Medien von Schleefs Tod unterrichtete.