Theater: Eva schafft sich ihren Adam - DER SPIEGEL
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Theater Eva schafft sich ihren Adam

Mit "Das Maß der Dinge" ist der US-Amerikaner Neil LaBute der Erfolgsautor der Saison.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Eva heißt hier Evelyn und stammt eindeutig nicht aus Adams Rippe. Evelyn schafft sich ihren Spielgefährten lieber selbst. Sie studiert an einer amerikanischen Universität und hat sich für ihr Abenteuer ihren Kommilitonen Adam ausgeguckt. Der ist langweilig und unförmig, aber ungemein formbar. Unter ihrem sanften Druck wandelt sich der schlampige Langzeitstudent in einen körperbewussten Fitness-Freak, der sogar die Nase auf Idealmaß richten lässt. Je häufiger er seinen Körper trainiert, desto selbstverliebter und gewissenloser wird er allerdings. Aber wer hat ihn zu dem gemacht, der er nun ist? Die Kunststudentin reklamiert das Urheberrecht für sich. Sie hat seine von ihr manipulierte Metamorphose als Abschlussarbeit zur Prüfung an der Uni "eingereicht". Ihre Zuneigung war nur geheuchelt.

Der US-Dramatiker Neil LaBute, 40, beschreibt diese eigenartige Schöpfungsgeschichte in "Das Maß der Dinge". Seit der deutschsprachigen Erstaufführung bei den Salzburger Festspielen 2002 haben 14 Theater im deutschsprachigen Raum das Stück auf den Spielplan gesetzt. Im April präsentieren das Staatsschauspiel Dresden und das Stuttgarter Staatstheater ihre Versionen. Damit ist das Drama bei uns eines der erfolgreichsten zeitgenössischen Stücke der letzten Jahre. Vergleichbar nur mit "Gesäubert" von Sarah Kane und Yasmina Rezas "Drei Mal Leben".

Joachim Kronsbein


Premieren am 11.4. am Staatstheater Stuttgart, Tel. 0711/20 20 90, und am 12.4. am Staatsschauspiel Dresden, Tel. 0351/491 35 55.