Theater Früher Tod von Martin Fried
New York - Der gebürtige New Yorker starb bereits am 28. März in seiner Heimatstadt. Die renommierte Theaterakademie "Actors Studio" in New York kündigte am Freitag eine Gedenkveranstaltung zur Ehrung des Meister-Regisseurs für den 5. Mai an. Dabei soll auch das Wirken des jüdischen Künstlers bei der Inszenierung des KZ-Dramas "Kannibalen" in Deutschland und Österreich herausgestellt werden.
Fried hatte "Kannibalen" bereits erfolgreich in Amerika herausgebracht, als er 1969 von New York nach Berlin ging, um das Stück gemeinsam mit George Tabori zu inszenieren. Die Aufführung des Auschwitz-Dramas am Schillertheater stieß auf große Resonanz. Fried wurde dafür gelobt, dass er auch bei diesem Thema unverkrampfte New Yorker Leichtigkeit in das deutsche Theater brachte. Dennoch stand er in Europa immer im Schatten seines Freundes und Kollegen Tabori.
Später übernahm Fried auch Regiearbeiten in München, Hamburg und Wien. Am Hamburger Thalia-Theater inszenierte er 1985 Clifford Odets' "Das große Messer". Am Bayerischen Staatsschauspiel war es im zuvor gelungen, die "Dreigroschenoper" im Stil einer amerikanischen Revue herauszubringen. Über die Schauspielkunst in Deutschland äußerte sich Fried zwiespältig: Einerseits bemängelte er, dass deutsche Darsteller "zu Objekten degradiert" seien, denen man die individuelle Spielfreiheit nehme. Andererseits lobte er, dass sie "die am besten geschulten und diszipliniertesten der Welt" seien.
In New York inszenierte er vor allem am "Actors Studio", wo er einst seine Ausbildung zum Schauspieler und später zum Regisseur erhalten hatte. Schauspieler schätzten besonders, dass er seine europäischen Regie-Erfahrungen einbrachte und Disziplin als Voraussetzung für Leichtigkeit und Individualität der Rollengestaltung einforderte.