Theater: "Gefühl der Bedrohung" - DER SPIEGEL
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Theater "Gefühl der Bedrohung"

Die Schauspielerin Kerry Fox, 38, über ihre Rolle in dem Liebes- und Kriegsstück "Cruel and Tender"
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

KulturSPIEGEL:

Ms Fox, Sie spielen die Amelia in Luc Bondys Inszenierung "Cruel and Tender". Das ist eine moderne Adaption des antiken Stoffes um Herakles und seine Frau von Martin Crimp. Was ist Amelia für eine Frau?

Kerry Fox: Amelia hat für ihren Mann, bei uns ein namenloser "General", alles aufgegeben und ist Teil seiner Welt geworden. Wie zeitgemäß das ist, haben wir gerade bei unserem Gastspiel in Zagreb erlebt: Da redeten alle über einen gesuchten Kriegsverbrecher; er hat eine ihm sehr ergebene Frau, nach der jetzt auch gefahndet wird, um so an ihn heranzukommen. Genauso ist Amelia: Als ihr Mann nach Jahren aus dem Krieg zurückkommt, ist er zwar für einige ein Held, für die anderen aber ein Verbrecher. Sie steht zu ihm - und dann erfährt sie, dass er sie betrügt.

KulturSPIEGEL: Ist "Cruel and Tender" vor allem ein Stück über den Krieg oder über die Liebe?

Fox: Über die Liebe. Aber es ist ganz schön hart, jemanden zu lieben, der nicht da ist. Amelia liebt eine Phantasiegestalt. Insofern ist ihr Mann wirklich Herakles, ein Mythos - sogar für seine Frau.

KulturSPIEGEL: Wo fühlen Sie sich mehr exponiert: Nackt auf der Leinwand wie in dem Film "Intimacy" oder auf der Bühne, wenn Sie eine Frau mit so extremen Gefühlen wie Amelia spielen?

Fox: Ich fühle mich in diesem Stück nicht schutzlos, sondern stark - auch wenn das Publikum das vermutlich anders wahrnimmt. Eher fühlen sich die Zuschauer exponiert oder sogar bedroht, weil diese Frau sie so extrem mit ihren Gefühlen und ihren Reaktionen konfrontiert.

KulturSPIEGEL: Spüren Sie die Reaktionen des Publikums, wenn Sie auf der Bühne stehen?

Fox: Ja, klar. Es ist zum Beispiel etwas völlig anderes, das in Zagreb, also in Kroatien, zu spielen, vor allem, wenn es im Stück um Kriegsverbrechen oder Kindersoldaten geht. Ich habe da schon gedacht, was für ein Recht hast du eigentlich, den Leuten hier irgendwas zu predigen, die haben das doch selbst erlebt.

ANKE DÜRR


Cruel and Tender. Gastspiel zur Eröffnung der "spielzeiteuropa" im Haus der Berliner Festspiele, 6.-9.10., Tel. 030/25 48 92 54.