Theater: Heiko Buhr - DER SPIEGEL
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Theater Heiko Buhr

Der Dramatiker gewann 1999 den höchst dotierten Theaterpreis der Republik. Im Nebenberuf ist er noch immer Sozialarbeiter.
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Es muss ein bühnenreifes Szenario gewesen sein: Vier Leute sitzen wochenlang vor einem Berg von Texten, diskutieren und finden ­ nix. 120 Theaterstücke von hoffnungsvollen Nachwuchsdramatikern, und keines ist der Jury die 100000 Mark wert, mit denen der Privatmann Heinz Dürr, ehemals Chef der Bahn AG, das Gegenwartsdrama fördern will: 25000 für den Autor, der Rest für die Uraufführungsbühne. Das war 1997. Aber Dürr gab nicht auf und lobte den Preis ein zweites Mal aus, diesmal gab es 40000 Mark für den Autor. Ergebnis 1999: 235 Einsendungen, darunter "Ausstand" von Heiko Buhr, 36, aus Kiel. Ein Stück über zwei Arbeitslose, die sich von einem dritten zu einer grausamen Verzweiflungstat hinreißen lassen; Schauplatz: eine Kneipe. Ein solide gebautes Stück mit lebendigen Menschen und genügend Sozialkritik, aber ohne Kitsch ­ so hatte Dürr sich sein Drama vorgestellt. Am 10. Dezember wird es nun am Deutschen Theater in Berlin uraufgeführt (Regie: Bruno Klimek). Der Autor war ein echter Newcomer. Zwar hatte Buhr seit 17 Jahren Prosa und vor allem Lyrik verfasst, aber erst 1997 hatte er begonnen, Dramen zu schreiben. Zwei Jahre später hatte er fünf Stücke fertig. "Da dachte ich, jetzt muss was passieren, und habe meine Sachen losgeschickt." Der Anruf von der Heinz-Dürr-Jury war eine der ersten Reaktionen, die er auf seine Arbeit bekam. "Das war eine tolle Bestätigung", sagt Buhr, "nicht nur meine Eltern haben sich ja gefragt: Was macht der Junge da eigentlich?" Der Junge, Sohn eines Bierbrauers, verfolgte mit norddeutscher Starrköpfigkeit sein Ziel, Autor zu werden. Seinen Unterhalt bestritt er auch nach der Promotion zum Doktor der Literaturwissenschaft mit Nachtschichten in der Druckerei der "Kieler Nachrichten", um tagsüber genug Zeit zum Schreiben zu haben. Heute arbeitet Buhr halbtags als Betreuer für Jugendliche in einem Wohnprojekt. Schon rein äußerlich entspricht der Mann nicht dem Klischee vom hippen Jungliteraten im Designer-Anzug. Gerade die Normalität scheint aber seine Stärke zu sein: Buhrs Stücke spielen nicht in virtuellen Welten oder im Mikrokosmos Theater; der Autor bezeichnet sie selbst als "traditionalistisch". Die Menschen reden bei ihm wie echte Menschen, und sie haben echte Probleme. Die Arbeitslosen in "Ausstand" etwa reden so, wie Buhr das oft gehört hat, wenn er mit seinen Kollegen von der Druckerei noch einen trinken war, nach der Arbeit, morgens um vier. Da wurde Dr. Buhr oft gefragt: "Wieso suchst du dir nicht endlich einen anständigen Job?" Seine Antwort war immer die gleiche: "Weil ich schreiben will." Anke Dürr


"Ausstand", Uraufführung am 10.12. in den Kammerspielen, Berlin. Auch am 17.12., Tel. 030/28 44 12 25.