Theater: "Intelligente Unterhaltung" - DER SPIEGEL
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Theater "Intelligente Unterhaltung"

Der Musiker Franz Wittenbrink über seinen Erfolg mit "Sekretärinnen" und artverwandten Liederabenden
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

KulturSPIEGEL:

Herr Wittenbrink, im deutschen Theater sind Sie seit Jahren der musikalische Maître de Plaisir. Wie schaffen Sie das?

Franz Wittenbrink: Indem ich immer wieder Neues ausprobiere, zum Beispiel mit der Literatur. In München habe ich gerade die "Metamorphosen" inszeniert - ein Versuch, Ovids Götterwelt musikalisch und modern zu beschreiben.

KulturSPIEGEL: Man hat den Eindruck, Deutschland feiert ein Wittenbrink-Festival.

Franz Wittenbrink: Ich müsste lügen, wenn's mir nicht gefallen würde. Ich mache eben intelligente Unterhaltung, die hat ja schon der olle Brecht vom Theater gefordert. Es ist doch das Größte, wenn das Publikum lachen und weinen kann - und das bei klarem Verstand.

KulturSPIEGEL: Ihre singenden "Sekretärinnen" sind seit 1995 auf Achse. Wann dürfen die Tippsen in Rente gehen?

Franz Wittenbrink: Warum sollten sie? Die sind immer noch ganz kregel. Das Stück ist ja eher einfach - mit klaren Frauentypen - und vielleicht deshalb so erfolgreich.

KulturSPIEGEL: Die Bürotruppe hat so manchen ausgezehrten Theateretat saniert.

Franz Wittenbrink: Es gibt mittlerweile 31 sehr profitable "Sekretärinnen"-Inszenierungen. Ich habe nur eine, in Berlin, gesehen. Da wäre ich allerdings fast heulend rausgelaufen, weil die Mädels zu schrillen Musical-Tanten aufgebrezelt worden waren.

KulturSPIEGEL: Welche "Sekretärinnen"-Produktion war am erfolgreichsten?

Franz Wittenbrink: Die am Hamburger Schauspielhaus, mit 135 ausverkauften Vorstellungen.

KulturSPIEGEL: Gibt es für Wittenbrink ein Leben ohne Lieder?

Franz Wittenbrink: Nein, ich liebe Musik von der Renaissance bis in die Moderne, und ich glaube, dass Musik das Theater noch attraktiver macht. In Zukunft möchte ich selber mehr Texte vertonen. Darüber will ich in den nächsten neun Monaten nachdenken, wenn ich pausiere und mich um meine pubertierenden Töchter kümmern muss.

KulturSPIEGEL: Ihr Lieblingsstück aus eigener Produktion?

Franz Wittenbrink: "Denn alle Lust will Ewigkeit", ein trauriger Abend über den Tod.

Interview: Peter Stolle


Sekretärinnen, ab 23.7. im Hamburger Thalia Theater ; Metamorphosen, wieder am 10., 13., 19. und 24.7. in den Münchner Kammerspielen , Tel. 089/23 39 66 00.