Theater: J. K. Diaz de Garaio - DER SPIEGEL
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Theater J. K. Diaz de Garaio

Er begann als Countertenor und Musiker. Heute ist der Baske als Tänzer einer der Stars an der neuen Schaubühne in Berlin.
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Er war schon fast am Ziel. Nach jahrelanger harter Arbeit an seiner Stimme, seinem Gehör, seinem Auftreten war Juan Kruz Diaz de Garaio Esnaola auf dem Weg zu einer internationalen Karriere als Countertenor und Musiker. Aber dann kam ihm dieser Auftritt in Holland dazwischen.

Mit seiner ungewöhnlichen Stimme sollte er bei einem Tanztheaterstück mitwirken. Der Choreograf forderte ihn auf, doch bei den Proben einfach mit den Tänzern mitzutrainieren. Er blieb; und als das zweite Stück premierenreif war, beschloss Diaz de Garaio Esnaola, von vorn anzufangen und Tänzer zu werden. Da war er 23. "Es ging mir immer darum, etwas mitzuteilen", sagt er heute dazu, "und die Körpersprache ist dabei einfach eine weitere Sprache."

Inzwischen hat der Baske, heute 33, sein neues Ziel längst erreicht. Seit 1996 ist er festes Mitglied bei "Sasha Waltz & Guests". Die Berliner Choreografin hat in dieser Zeit eine steile Karriere gemacht ­ vom Geheimtipp in der Off-Szene zur Co-Chefin der ehemals legendären, jetzt neu gestarteten Schaubühne. Ihre Truppe wuchs dabei von sechs auf zwölf Tänzer, unter ihnen Diaz de Garaio Esnaola.

Der freut sich über den Aufstieg, aber er betont: "Es geht mir nicht darum, an der Schaubühne zu arbeiten ­ Hauptsache, ich kann mit Sasha arbeiten." Mit seinen Talenten und seinem Ehrgeiz hätte er längst woanders mehr Geld und mehr (Solisten-) Ruhm haben können. Aber er fällt auch im Ensemble auf. Im Erfolgsstück "Allee der Kosmonauten" etwa tanzt und turnt er nicht nur über die Bühne, er spielt auch noch Akkordeon ­ auf dem Kopf stehend.

Es ist die Arbeitsweise der Truppe, die Diaz de Garaio Esnaola reizt. Sasha Waltz gibt ein Thema vor, mehr nicht. Das Stück entsteht bei den Proben. So sind alle Tänzer Choreografen ­ auch bei ihrem neuen Stück, dem ersten, das an der Schaubühne entstanden ist: "Körper" heißt es. Es sei abstrakter, kälter als ihre früheren, sagt Diaz de Garaio Esnaola. "Ich bin auf der Bühne nichts weiter als mein Körper, und mit meinem Körper versuche ich über meinen Körper zu sprechen." Klingt kompliziert. Ob's funktioniert, entscheidet das Publikum.

Diaz de Garaio Esnaola ist inzwischen einer der wichtigsten Mitarbeiter von Sasha Waltz: Bei Tourneen, auf denen sie ihre Truppe nicht begleiten kann, macht er die Ersatzmutter der Kompanie, er war bei mehreren Stücken für die Musik verantwortlich. Er kennt Waltz so gut, dass er den neuen Ensemblemitgliedern oft besser beschreiben kann, was die Choreografin von ihnen will, als diese selbst ­ was auch daran liegt, dass der Baske sechs Sprachen spricht. Die Körpersprache Tanz nicht mitgezählt.

Anke Dürr


"Körper", 13.­15. und 17.­20.2. an der Berliner Schaubühne, Tel. 030/89 00 23.