Theater: Johanna Wokalek - DER SPIEGEL
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Theater Johanna Wokalek

Ihre Karriere begann mit einer Ohrfeige ­ jetzt triumphiert die Schauspielerin am Wiener Burgtheater in klassischen Rollen.
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ls die Schauspielerin 1996 auf einen Schlag berühmt wurde, war das noch ein Unglücksfall. Bei einer Vorstellung von Paulus Mankers Stationendrama über Leben und Lieben von Alma Mahler-Werfel in Wien war Johanna Wokalek vom Bühnenpartner Manker geohrfeigt worden. So realistisch, dass sie verarztet werden musste: "Alma im Spital!", titelte ein Boulevardblatt erregt.

Damals war Wokalek 21 und gerade im zweiten Studienjahr am ehrwürdigen Wiener Max-Reinhardt-Seminar. Heute ist sie 26 und eine feste Größe im Ensemble des ehrwürdigen Wiener Burgtheaters. In Luc Bondys gefeierter Tschechow-Inszenierung "Die Möwe" (eingeladen zum diesjährigen Berliner Theatertreffen) ist sie die junge Schauspielerin Nina; in Andrea Breths Inszenierung von Kleists Rittermärchen "Das Käthchen von Heilbronn", das gerade an der Burg Premiere hatte, spielt Wokalek die Titelrolle. Vom Talent zum Star in knapp fünf Jahren: Das nennt man Traumkarriere.

Debütiert hat die Freiburgerin an der Burg als Einspringerin in der "Dreigroschenoper". Aber statt danach auf eine weitere Chance zu warten, ließ sie sich, taktisch klug, erst mal nach Bonn engagieren: Das dortige Theater ist zwar klein genug, um einer begabten Schauspielerin viele gute Rollen zu bieten, aber auch groß genug, um dabei nicht übersehen zu werden. Als Kindsmörderin Rose Bernd in Gerhart Hauptmanns Tragödie war Wokalek sogar so auffällig, dass ihretwegen wieder mal eine Bonner Aufführung zum Theatertreffen reiste. Dann kam das Angebot vom Burgtheater.

Johanna Wokalek ist eine sehr emotionale Schauspielerin; ganz altmodisch fühlt sie sich in die Rollen ein: "Ich gehe da sehr stark von mir selbst aus und folge meinem Instinkt." Im konzeptuellen Theater eines Martin Kusej, in dessen Stuttgarter "Hamlet" sie die Ophelia ist, wirkt Wokalek wie ein etwas hysterischer Fremdkörper; im feinsinnig-psychologischen Schauspielertheater Marke Bondy scheint sie besser aufgehoben.

Das Faszinierende an Wokaleks Figuren ist die merkwürdige Spannung zwischen jugendlicher Direktheit und erstaunlicher Reife ­ in der "Möwe" etwa ist sie nicht nur eine naive Traumtänzerin, sondern auch eine mutige junge Frau, die alles riskiert und auch dann noch dazu steht, als sie alles verloren hat.

Die bittere Ironie, die darin liegt, als junge Schauspielerin ausgerechnet in der Rolle einer gescheiterten jungen Schauspielerin zu triumphieren, ist Wokalek nicht entgangen ­ andererseits will sie sich durch solche Gedanken auch nicht allzu sehr die Laune verderben lassen. Sie weiß, dass sie momentan eine Glückssträhne hat. "Und ich muss sagen, ich genieße das sehr."

Wolfgang Kralicek


"Die Möwe", 23./24.5. Berlin, Tel. 030/25 48 91 00; "Das Käthchen von Heilbronn", 4., 5., 12., 13.5. Wien, Tel. 0043/1/513 15 13.