Theater Judith Hofmann
Ein Mann und eine Frau stehen im Regen, sie ducken sich gemeinsam unter seine abgewetzte Aktentasche, er will ihr in die Augen sehen, aber sie dreht sich weg, immer wieder. Schließlich wird es ihr zu blöd, entschlossen tut sie einen großen Schritt nach draußen, in den Regen, in die Schutzlosigkeit.
Eine Szene bei den Proben zur Uraufführung von "Klaras Verhältnisse", dem neuen Stück der Dramatikerin Dea Loher, 35, das die Regisseurin Christina Paulhofer, 30, im Wiener Akademietheater präsentieren wird. Judith Hofmann spielt die junge Frau, Klara, und die Rolle scheint für sie geschrieben zu sein: verletzlich, beschützenswert, unschuldig ist diese Klara, aber nie naiv oder niedlich, sondern erstaunlich zäh, eigenwillig, kämpferisch.
Judith Hofmann, 32, verkörpert all diese Eigenschaften: Sie ist zierlich, blass, mit rötlichen Haaren. Dabei ist ihre Stimme erstaunlich voll und rau, was durch den leichten Schweizer Akzent noch unterstützt wird. Ihre Stirn runzelt sich in komischer Verzweiflung, sogar wenn sie lacht. Und ihre großen hellen Augen mit den langen Wimpern blicken sehr entschlossen, manchmal trotzig.
Trotz war es letzten Endes auch, weshalb Judith Hofmann tatsächlich Schauspielerin geworden ist. Sie hatte sich von ihrer Geburtsstadt Zürich aus, wo sie Umweltnaturwissenschaften studierte, für einen Platz an der Schauspielschule in Graz beworben "eigentlich nur, um zu überprüfen, ob meine private Schauspiellehrerin was taugt". Offenbar, denn Hofmann wurde prompt genommen. Aber nach den ersten Zwischenprüfungen flog sie wieder. Da packte sie der Ehrgeiz erst recht: Trotzig bewarb sie sich am legendären Max-Reinhardt-Seminar in Wien mit Erfolg. Danach, 1994, bekam sie gleich einen festen Vertrag am Bayerischen Staatsschauspiel in München. Der Durchbruch aber kam in Frankfurt als Amélie Niermeyers "Miss Sara Sampson"; in München war sie kurz darauf in Andreas Kriegenburgs viel gelobter Inszenierung "Draußen vor der Tür" zu sehen.
Sie habe Kriegenburg viel zu verdanken, sagt Hofmann, die in fast allen seinen Münchner Inszenierungen mitgespielt hat. Kriegenburg war es auch, der dafür sorgte, dass sie zum Beginn dieser Saison nach Wien wechselte, wie er selbst. Die Klara ist hier ihre erste Hauptrolle: die Geschichte einer Frau, die sich ins Unglück stürzt, weil sie niemandem mehr Zugeständnisse machen will. "Die Klara wäre fast eine Märtyrerin, wenn sie nicht gleichzeitig so bitter, lakonisch und humorvoll wäre", sagt Hofmann. Und lacht wie jemand, der sich auch bei Regen fröhlich in die Fluten stürzt.
Anke Dürr
Uraufführung am 31.3. im Wiener Akademietheater. Auch am 3., 5., 7., 8., 14., 18.20., 25., 30.4.,
Tel. 0043/1/514 44 40 41.