Theater: Marek Harloff - DER SPIEGEL
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Theater Marek Harloff

Im Film war der Schauspieler meist als zorniger junger Mann zu sehen. Jetzt steht er in Hamburg in Sarah Kanes Drama "Gier" auf der Bühne.
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Das war ihm noch nie passiert. Klar, für eine Rolle vorzusprechen und sie nicht zu bekommen, gehört zum Alltag eines Schauspielers. Aber die Begründung war neu: "Ich war dem Regisseur zu alt", sagt Marek Harloff, 29, "dabei hätte ich den Film ,23' wirklich gern gemacht." Schließlich bekam August Diehl die Hauptrolle; Harloff hat sich den Film nicht angesehen. Bis dahin war es eigentlich seine Spezialität gewesen, Figuren zu spielen, die jünger sind als er. Im Fernsehfilm "Der Skorpion" (Regie: Dominik Graf) war er noch vor drei Jahren als Abiturient zu sehen. Harloff spielt in dem virtuos inszenierten Krimi den Sohn eines Drogenfahnders (Heiner Lauterbach). Seine Mutter wurde von der Drogenmafia vergiftet und liegt im Koma. Während der Vater die Attentäter sucht, driftet der Sohn immer mehr ab: Seine Freundin versorgt ihn mit Glückspillen, aber gegen seine hilflose Wut taugen die auch nicht. In dem Film treibt Harloff seine Figur instinktsicher durch die Wahnsinns-Story, immer zwischen Zorn, Schmerz und Sehnsucht. "Ich hatte selbst Phasen, wo ich mich nicht unter Kontrolle hatte", erzählt er, "nur mein Ventil war ein anderes: viel trinken, viel feiern und Musik machen." Eine ähnliche Stimmung ist auch bei "Gier" gefragt, dem düsteren Theaterstück der britischen Dramatikerin Sarah Kane (1971 bis 1999), das Harloff gerade am Hamburger Schauspielhaus probt (Regie: Ute Rauwald); er spielt darin wieder einen jungen Mann am Rand des Wahnsinns. "Gier" gehört zu den vier Eröffnungspremieren, mit denen sich der neue Intendant Tom Stromberg in Hamburg vorstellt. Harloff scheint das ziemlich egal zu sein; er redet nur davon, wie sehr ihn der depressive Text beeindruckt, und obwohl er einen dabei mit riesengroßem Stauneblick anschaut, klingt es bei ihm nicht nach Schauspieler-Gewäsch. Das Theater ist für ihn eine Flucht vor dem deutschen Film: "Was da zurzeit gemacht wird, ist zum größten Teil Schrott, banal und unpoetisch." Das sagen viele, aber Harloff hat auch die Konsequenz gezogen: Er hat oft auf Gewagtes gesetzt und auf Newcomer. Im Oktober etwa kommt "Vergiss Amerika" heraus, der gerade beim Münchner Filmfest mit einem Regie-Förderpreis ausgezeichnet wurde. Harloff ist ein Überzeugungstäter; er war lange genug auf der Suche nach seiner Berufung. Erst mit 23 gab er alle Studienpläne auf und beschloss, die Schauspielerei nicht mehr nur als gelegentlichen Job zu sehen. Seitdem will er es wissen. Die nächste Herausforderung ist für März 2001 am Nationaltheater Weimar angekündigt: "Da spiele ich den Mephisto", sagt Harloff, "obwohl ich dafür eigentlich zu jung bin." Und er grinst. Anke Dürr


GIER: Ute Rauwald inszeniert Sarah Kanes düsteres Vokalquartett.
Premiere am 29.9. im Malersaal des Hamburger Schauspielhauses. Auch am 30.9., Tel. 040/24 87 13.