Theater: Ohne Zweifel gut - DER SPIEGEL
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Theater Ohne Zweifel gut

Annett Renneberg zeigt in "Peer Gynt" am Berliner Ensemble, wie viel Stärke in der Sanftheit liegt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

So eine ist die Solveig. Sitzt da in der Sonne, die Kleider vielleicht etwas zu bunt, die Hände etwas zu klein, die Stimme etwas zu still, alles in allem recht bezaubernd, sie sitzt da und schaut in die Sonne und sagt sehr sanft: "Nein, ich möchte hier nicht weg." Ist die naiv, könnte man denken, was ein Irrtum wäre. Annett Renneberg war anderthalb Jahre alt, als ihre Eltern mit ihr hierher zogen, gerade ist sie 26 Jahre alt geworden, sie dreht Filme in Venedig und anderswo, aber weg will sie nicht aus Berlin-Mitte.

Man kann sich nur wundern, wie der Alte, den Renneberg mit leichtem Lächeln den Meister nennt, das immer wieder macht. Peter Zadek hat sie in einem ihrer ersten Filme gesehen, nachts im Fernsehen, hat sie dann für "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" bei den Salzburger Festspielen 1998 engagiert und ein Jahr später in Wien zu seiner Ophelia neben Angela Winkler als Hamlet gemacht - und nun spielt sie eben, neben Uwe Bohm als Peer Gynt und Angela Winkler als Aase, Zadeks Solveig am Berliner Ensemble. Solveig, die wartet, bis ihr Peer nach Jahrzehnten zu ihr zurückkommt, Solveig, die Renneberg selbst, so scheint es, in manchem so ähnelt. Anfangs, sagt sie, fand sie die Rolle "nicht so toll", zu passiv, zu reagierend; bis sie in den sechs Monaten Probezeit etwas verstand, über sich und über Solveig: "Diese Frau zweifelt nicht", sagt sie, "da ist sie Peer weit voraus."

Die Dinge passieren ihr, und sie gelingen ihr. Erst im Film und im Fernsehen, wo Renneberg in "Maja" eine Prostituierte spielte, eine Rolle in den "Musterknaben" hatte, Donna-Leon-Krimis drehte und gerade in "Erbsen auf halb 6" zu sehen ist; dann beim Theater, wo sie eigentlich erst bei den letzten "Hamlet"-Vorstellungen gemerkt hat, "was Theater eigentlich heißt". Ihre einfache Logik, die gar nicht naiv ist: "Wenn Zadek mich geholt hat, wird er schon seine Gründe haben." An ihrem Finger trägt sie übrigens einen dicken Ring. Auf dem steht: Alles wird gut.

Georg Diez


"Peer Gynt". Premiere am 8.4. im Berliner Ensemble (ausverkauft). Auch am 10., 11., 14., 15., 20., 21., 28. und 29.4., Tel. 030/28 40 81 55.