Theater: Tilo Werner - DER SPIEGEL
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Theater Tilo Werner

Frauenhasser, Verklemmter und nun Büchners Robespierre: Der Berliner Schauspieler, privat ein Charmeur, brilliert als Unsympath.
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Die wenigsten Menschen, die einen Abend mit ihm verbracht haben, erkennen ihn später wieder. Erst sitzen sie im Publikum, schauen Tilo Werner zu, klatschen, manche rufen Bravo, aber wenn sie ihm danach begegnen, sehen sie nur einen hübschen jungen Mann mit kahlem Kopf. Er nimmt das als Kompliment. "Mich hat es bei den Aufnahmeprüfungen an den Schauspielschulen immer irritiert, wenn die sagten: ,Wir wollen nicht sehen, was Sie können, wir wollen Sie sehen.'" Er flog jedes Mal in der ersten Runde raus. Tilo Werner, 32, sitzt im Schaubühnen-Café am Lehniner Platz, eine Vorstellung seines Solos "Misterman" hinter sich, ein Bier vor sich. Die Lachfältchen, die er ablegt, bevor er auf die Bühne geht, sind wieder da. Die Tischplatte wirkt zu hoch, die Ärmel seines Pullovers schauen unter dem Sakko hervor, und kein Flaschenetikett ist vor seinen Händen sicher. Tilo Werner knibbelt. Vor zwei Monaten hat er aufgehört zu rauchen. Die renommierte Ernst-Busch-Schule in Berlin, erzählt Werner, habe ihn schließlich aufgenommen. "Dort steht man nicht so mit der eigenen Psyche im Vordergrund. Es ist wichtiger, was für eine Phantasie man für Figuren entwickelt." Das ist sein Ding. An der Schule beginnt er mit Thomas Ostermeier zu arbeiten, geht mit ihm an die inzwischen legendäre "Baracke" des Deutschen Theaters und folgt ihm 1999 auch an die Schaubühne. Sosehr Tilo Werner die Kontinuität in der Arbeit schätzt, so sehr steht er für Wandlungsfähigkeit. In "Parasiten" von Marius von Mayenburg gibt er einen rotzigen, langhaarigen Proll, einen widerlichen Kerl, der seiner schwangeren Freundin mit Vorliebe in den Bauch boxt. In "Misterman" von Enda Walsh ist Werner ein verklemmter Parka-Träger, ein bigotter Frauenhasser, bei dem, wenn er sich in Rage redet, der Speichel läuft und die Adern am rasierten Schädel hervortreten. In dieser One-Man-Show spielt Werner die Menschen, die der Hauptfigur begegnen, gleich mit, er ist ein ganzes irisches Dorf. Zurzeit probt er den Robespierre in "Dantons Tod". Hätte er auch Danton spielen können? "Nein, ich glaube, das Analytische, Strenge liegt mir mehr." Er zieht eine Augenbraue hoch. "Danton lässt sich ja ziemlich gehen." Sich in einen Mann zu versetzen, der an manchen Tagen 60 Menschen guillotinieren ließ, sei aber auch nicht leicht gewesen. Auch wenn im Zuge der Auseinandersetzung mit dem Stück die Idee einer Revolution an Attraktivität gewonnen habe. Er schaut sich im Café um, grinst diabolisch und sagt: "Der eine oder andere Kopf müsste dann schon rollen." Scheint, als habe er sich in die neue Figur ziemlich gut eingefunden.

Anne Zuber


BERLIN DANTONS TOD: Die Revolution frisst ihre Kinder ­ bei Regisseur Thomas Ostermeier muss schließlich Kay Bartholomäus Schulze als Danton dran glauben, Tilo Werner ist sein Gegenspieler Robespierre (siehe Porträt). Premiere am 31.3. in der Schaubühne. Voraufführungen am 29. und 30.3.; außerdem am 2., 3., 5., 6., 9., 10., 14., 15., 16.4., Tel. 030/89 00 23.