Theater-Tipp: Rache! Rache! - DER SPIEGEL
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Theater-Tipp Rache! Rache!

Sasha Waltz präsentiert an der Berliner Staatsoper unter den Linden ihre großartige Choreografie der "Medea" – eine tänzerische Interpretation der Oper über die so intelligente wie furchtbare Rächerin.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Medea ist eine starke, rätselhafte, fremde, zutiefst verletzte und grausame Frau. Als Kolcherin heiratet sie den Griechen Jason, opfert ihm ihren Bruder, flieht mit ihm – um schließlich von ihm verlassen zu werden. Ihre Rache ist so intelligent wie fürchterlich: Sie bringt nicht nur die neue Frau Jasons um, sondern auch ihre eigenen Kinder, deren Vater Jason ist.

Eine der ältesten Tragödien der Welt – und auch nach Jahrtausenden noch so faszinierend, dass sie immer wieder neu bearbeitet und interpretiert wird. An der Berliner Staatsoper unter den Linden  hat jetzt die Oper "Medea" des französischen Komponisten Pascal Dusapin, 52, Premiere, eine Produktion, die nach ihrer Uraufführung im Mai in Luxemburg hoch gelobt wurde. Weil die Koloratursopranistin Caroline Stein, die einzige Solistin auf der Bühne, eine eindrucksvolle Medea ist. Und weil Sasha Waltz ihr ihre grandiosen Tänzerinnen und Tänzer an die Seite stellt.

Eine Kritikerin fühlte sich an "die Anfänge des Ausdruckstanzes" erinnert. Vielleicht kein Zufall, denn die international erfolgreiche Choreografin Sasha Waltz, 44, begann ihre Ausbildung als Kind in Karlsruhe bei einer Schülerin von Mary Wigman. Heute hat sie längst ihre eigene Handschrift. Und selbst ihr zehnjähriger Sohn Lászlò, auf der Bühne als eines von Medeas Kindern zu sehen, hat inzwischen Waltz-typische Bewegungsabläufe drauf. Zu den stärksten Szenen gehört die, in der die Figuren in einem scheinbar antiken Fries langsam lebendig werden.

Die Oper bildet den Auftakt zu einem genreübergreifenden "Fest für die Künste" mit dem Titel Medeamorphosen, das bis Mitte November vor allem im Berliner Radialsystem  stattfindet, der neuen künstlerischen Heimat von Sasha Waltz und ihrer Compagnie. Zu sehen und hören sind dort auch andere Medea-Interpretationen, die Sasha Waltz beeinflusst haben: Der 1969 entstandene "Medea"-Film von Pasolini zum Beispiel, mit Maria Callas in der Titelrolle. Und Christa Wolf, die aus ihrem Roman "Medea.Stimmen" lesen wird.