Theaterfestival Das Salz in der Ruhr
Mülheim ist eine geheimnisvolle Stadt, zumindest, was die Namensgebung angeht. Dachte man bisher, die Stadt, die wohl vor allem berühmt ist dafür, dass Aldi-Süd dort seinen Firmensitz hat, hieße Mülheim an der Ruhr, so sieht man dort seit einiger Zeit plakatiert: Mülheim an die Ruhr. Und jetzt heißt es plötzlich gar: Mülheim am Meer! Was ist passiert?
Ganz klar: Die Stadt will eine andere werden und stylt sich neu. "Mülheim an die Ruhr" ist ein ehrgeiziges Stadtplanungsprojekt, bei dem die ganze Innenstadt umgebaut wird, um endlich den Fluss sichtbar zu machen, den der Ort im Namen trägt. Und "Mülheim am Meer" ist ein Kulturprojekt, bei dem die Bürger der Stadt dazu aufgerufen wurden, ihre Geschichten über und mit Mülheim aufzuschreiben. Anlass ist das 200-jährige Stadtjubiläum, und weil andere Städte über die Zahl 200 nur müde lächeln können, verweist der Titel "Mülheim am Meer" fast trotzig darauf, dass dieser Ort doch weitaus geschichtsträchtiger ist: Die Stelle auf der Landkarte, an der heute Mülheim verzeichnet ist, lag tatsächlich mal am Meer. Das allerdings ist ungefähr hundert Millionen Jahre her, danach kam lange nichts.
Aber in den letzten 200 Jahren ist viel passiert, und Roberto Ciulli, dessen Theater am Raffelbergpark eine Mülheimer Institution ist, macht aus einigen der von den Mülheimern eingesandten Geschichten nun eine Szenencollage. Premiere ist am 7. August, als Auftakt zu den "Weißen Nächten". Mit ihnen eröffnet das Ciulli-Theater seine Spielzeit, wie immer draußen und ohne Eintritt.
Weitere Höhepunkte der zwei langen Wochenenden sind eine nächtliche Filmreihe mit Werken berühmter Mülheimer Meister (Christoph Schlingensief, Helge Schneider) und ein Gastspiel des "Baghdadi Circle of Passion" aus dem Irak. Und wenn das Wetter mitspielt, werden es vielleicht wirklich "Weiße Nächte". In Ciullis Heimatland Italien steht dieser Ausdruck nämlich für Nächte, die man durchfeiert.