Theaterstar Peter Jordan Dann doch ein Doofer
Kay Voges hat es immer wieder versucht, ein Jahr lang, er hat ihn bedrängt, bekniet, gelockt. Mit Erfolg. Der Direktor des Schauspiel Dortmund hat den Theaterstar und "Tatort"-Kommissar Peter Jordan davon überzeugt, die Seite zu wechseln - und sein Regie-Debüt zu wagen. Premiere ist am 12. März.
"Regie fand ich immer doof", sagt Jordan. "Und einer von den Doofen wollte ich nie sein." Der Regisseur ziehe die negativen Stimmungen auf sich, "das habe ich als Schauspieler oft genug mitgekriegt". Nun spielt er den Chef, auch wenn es ihn ermüdet: "Der Chef in mir ist ziemlich klein, den herauszukehren ödet mich an."
Der 43-Jährige hat sich keinen leichten Stoff für sein Debüt ausgewählt. Der von bearbeitete Shakespeare-Brocken "Macbeth" geht weit hinaus über Aufstieg und Fall des unrechtmäßigen Königs. Müller wendet sich ab vom humanistischen Ansatz Shakespeares. Während in der Originalfassung von 1606 mit der Ermordung Macbeths und der Krönung Malcolms die heile Welt wiederhergestellt ist, folgt in Müllers 1971 uraufgeführtem Stück auf eine Tyrannei die nächste.
"Shakespeare hält viel aus"
Peter Jordan ist überzeugt von der Müllerschen Bearbeitung, insbesondere wegen der konzentrierten Sprache. "Shakespeare hält viel aus", sagt er mit sorgloser Bestimmtheit. Zweifellos freut er sich auf die Herausforderung, dem Publikum ein Schreckensszenario entgegen zu schleudern.
Jordan hat längst der Ehrgeiz gepackt. Wenn sich plötzlich etwas auf der Bühne verwandelt, sei das ein unbeschreibliches Gefühl, sagt er. Die Schwierigkeit besteht für ihn darin, nicht dauernd aufzuspringen und den Schauspielern seine Vision vorzuspielen. "Es muss aus ihnen selbst kommen, sonst funktioniert es nicht", sagt Jordan - und klingt, als zitiere er einen Satz aus einem Regie-Ratgeber.
Die Chef-Rolle muss er noch üben. Das kann er in Dortmund in aller Ruhe, fernab der Reiserouten der überregionalen Kritik, die sich auf einen verunglückten Regieversuch stürzen würde.
Eine beschauliche Bühne, das kann ein Schutzschild sein. Und ein Sprungbrett.
Macbeth von Heiner Müller nach William Shakespeare. Premiere am 12.3. im Theater Dortmund . Auch am 16., 19. und 27.3. Kartentelefon: 0231/502 72 22.