Theaterstreit: Hochhuth will Peymann verklagen - DER SPIEGEL
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Theaterstreit Hochhuth will Peymann verklagen

Der schwelende Streit zwischen Dramatiker Rolf Hochhuth und "Berliner Ensemble"-Intendant Claus Peymann spitzt sich zu. Hochhuth, der vergangene Woche die Absetzung Peymanns forderte, will diesen jetzt wegen "krimineller Äußerungen" verklagen.
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Berlin - Anlass der Klage ist ein Zeitungsinterview, das Peymann der "B.Z." gegeben hat. Peymann behauptete darin, Hochhuth ("Der Stellvertreter") habe ihm eine "enorme Gage angeboten", damit er dessen Stücke spiele. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa sagte Hochhuth, er habe seinen Anwalt Otto Schily mit einer Schadensersatzklage beauftragt, wegen Rufschädigung und "krimineller Äußerungen".

Der Dramatiker bestreitet die Vorwürfe, er habe dies "Nie! Mit keiner Silbe, weder mündlich noch schriftlich" getan. Die Behauptung sei in seinen Augen "kriminell". "Wie könnte auch ein Autor dem Einkommen- Millionär Peymann eine Gage anbieten?". Zudem betonte er, Peymanns Satz "Hochhuth möchte nämlich gespielt werden" sei "sehr komisch". Diese Aussage wäre so, als würde er schreiben: "Peymann will nämlich inszenieren - als sei es nicht legitim, dass Berufstätige ihren Job ausüben wollen."

Erst in der vergangenen Woche hatte der 75-Jährige in einem offenen Brief an die Vorsitzende des Kulturausschusses im Berliner Abgeordnetenhauses, Alice Ströver (Grüne), gefordert, Peymann solle endlich in Rente geschickt werden. Als Nachfolger für den Intendantenposten schlug er Regisseur Christoph Schlingensief, Schauspielerin Katharina Thalbach und Regisseurin Amina Gusner vor.

Begründet hatte Hochhuth seine Forderung mit dem Vorwurf, Peymann habe außer dem bereits etablierten Dramatiker Peter Handke, "nicht ein einziges Mal in allen seinen Jahren am BE persönlich die Uraufführung eines Autors inszeniert". Es solle nun endlich wieder ein "frischer Wind in das Theater wehen".

Peymann verwies wiederum darauf, dass er Hochhuths "Stellvertreter" seit Jahren "freiwillig" spiele. Er und das BE seien somit Hochhuths "einzige Freunde". In der Donnerstagsausgabe der B.Z. erwiderte er Hochhuths Drohung: "Würden Sie doch Ihre Wut und Erregung und die Dramatik Ihrer Attacken, die Sie ständig gegen den altmodischen Peymann richten, endlich wieder einmal in eines Ihrer Theaterstücke stecken!" Denn sehe er vielleicht die Möglichkeit, wieder ein neues Hochhuth-Stück herausbringen zu können. Wenn der Dramatiker aber an bestimmten Aussagen festhalte, drohe Peymann seinerseits mit einer zivilrechtlichen Klage. Hochhuths Anwalt Schily habe Peymann allerdings als seinen eigenen Anwalt "in bester Erinnerung" und freue sich aufrichtig auf ihn.

hae/dpa