Johannes Heesters ist tot: 108 Jahre Wein, Weib und Gesang
Tod des Entertainers Heesters wird in München beigesetzt
München - Nach dem Tod von Entertainer Johannes "Jopie" Heesters sind am Sonntag Details zum geplanten Begräbnis bekannt geworden: Heesters soll laut der Nachrichtenagentur dpa am Freitag auf dem Münchner Nordfriedhof beigesetzt werden. "Es wird eine große Trauerfeier", sagte demnach der Inhaber des Starnberger Beerdigungsinstituts Zirngibl, Rudolf Zirngibl. Ein katholischer Pfarrer aus Heesters' Wohnort Starnberg werde die Predigt halten.
Der Leiter des Büros der Familie Heesters, Thorsten Groneberg, kündigte an, am Dienstag Informationen über die Beisetzung mitzuteilen.
Der Künstler war am Heiligabend im Alter von 108 Jahren im Klinikum Starnberg den Folgen eines schweren Schlaganfalls erlegen. Der gebürtige Niederländer hatte mit seiner 45 Jahre jüngeren Ehefrau Simone Rethel-Heesters bis zuletzt am Starnberger See gewohnt.
"Einzigartige Ausstrahlung"
Kollegen und Wegbegleiter würdigten den verstorbenen Schauspieler, Sänger und Entertainer. "Charme, Eleganz und Leichtigkeit waren sein Markenzeichen", erklärte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) noch am Heiligabend. Der Schauspieler Christof Arnold, der mit Johannes Heesters noch in diesem Jahr einen Kurzfilm drehte, sprach von der "einzigartigen Ausstrahlung" Heesters.
Zum Gedenken an den Alt-Entertainer ändert die ARD ihr Programm. Am Sonntagabend sollte ein 30-minütiger Nachruf gesendet werden. Am 27. und 30. Dezember zeigt der Sender jeweils um 10.25 Uhr "Bel Ami, der Frauenheld von Paris" (1955) und Géza von Bolvárys Verfilmung der berühmten Johann-Strauß-Operette "Die Fledermaus" aus dem Jahr 1945. "Johannes Heesters war schon zu Lebzeiten eine Legende - und noch erstaunlicher: bis zuletzt ein aktiver Bühnenkünstler", sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres.
Heesters galt als der älteste aktive Schauspieler, Sänger und Entertainer der Welt. Er gehörte zu den populärsten Bühnendarstellern des 20. Jahrhunderts und wurde vor allem mit Operettenrollen bekannt.
"Verehrt und angespuckt"
Die Niederländer nahmen die Nachricht vom Tod ihres Landsmanns mit gemischten Gefühlen auf. Einerseits wurde der Schauspieler als großer Künstler gewürdigt. Doch zugleich spielte Heesters' umstrittenes Verhalten während der Nazi-Zeit in niederländischen Kommentaren eine Rolle. "Heesters: verehrt und angespuckt", überschrieb die niederländische Nachrichtenagentur ANP einen Nachruf. Stellungnahmen der Regierung oder des Königshauses gab es zunächst nicht.
In Medienberichten wurde auf den Besuch des auch bei Nazi-Größen beliebten Operettenstars im Konzentrationslager Dachau im Jahr 1941 verwiesen. Der Künstler habe wohl "keine blasse Ahnung" gehabt, wie problematisch seine Auftritte in Deutschland in der Zeit des Zweiten Weltkriegs in seiner Heimat gesehen wurden, hieß es beim angesehenen Niederländischen Institut für Kriegsdokumentation (NIOD). "Auch nach seinem Tod kann man das nicht anders als dumm nennen", sagte NIOD-Sprecher David Barnouw.
Pieter Erkelens, der frühere Direktor des Theaters "De Flint" in Heesters Heimatstadt Amersfoort, sagte hingegen: "Es gibt nur wenige Niederländer, die international gesehen so viel Wertschätzung für ihr Werk erfahren haben." Und: "Wir müssen als Niederländer stolz sein auf so ein Top-Talent."
Heesters selbst hatte stets beteuert, in der NS-Zeit keine politischen Filme gedreht zu haben. "Ich hab mein Leben gelebt und bin zufrieden mit meiner Karriere, ich habe mich auch stets bemüht, den Weg meines Lebens geradezugehen, auch im Sturm der Zeit", sagte Heesters rückblickend. Seinen künstlerischen Nachlass hat er der Berliner Akademie der Künste vermacht.