Tony Awards: Billy Elliot erobert den Broadway - DER SPIEGEL
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Tony Awards Billy Elliot erobert den Broadway

Für einen Oscar reichte es nicht, aber bei den Tony Awards räumte Regisseur Stephen Daldry mit "Billy Elliot" nun doch noch ab: Zehn der begehrten US-Theaterpreise gewann die Broadway-Adaption des erfolgreichen Kinofilms über einen britischen Buben, der Tänzer werden will.
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New York - Wahrscheinlich war die Musik von Elton John nicht ganz unschuldig am Erfolg des Broadway-Musicals "Billy Elliot". Zehn Tony Awards, so viele wie kaum eine Inszenierung zuvor, gewann Stephen Daldrys Adaption seines rührenden Films aus dem Jahr 2000 am Sonntagabend bei der Verleihung in New York. Natürlich war die Auszeichnung als bestes Musical des Jahres auch dabei.

David Alvarez, Kiril Kulish und Trent Kowalik aus "Billy Elliot": Publikum im Sturm erobert

David Alvarez, Kiril Kulish und Trent Kowalik aus "Billy Elliot": Publikum im Sturm erobert

Foto: DPA

Die Auszeichnung als bestes Theaterstück gewann die bittersüße Sozialsatire "Der Gott des Gemetzels" von der französischen Dramatikerin Yasmina Reza. Oscar-Preisträgerin Liza Minnelli ("Cabaret") erhielt für ihre triumphale Rückkehr auf den Broadway mit ihrer Soloshow die Sonderehrung für das beste Theater-Ereignis.

Bei der mit viel Pomp inszenierten Tony-Gala in der Radio Music City Hall eroberten vor allem die drei jungen Hauptdarsteller von "Billy Elliot" die Herzen der Zuschauer. Nach einer atemberaubenden Tanzeinlage dankten David Alvarez, 15, Trent Kowalik, 14, und Kiril Kulish, 15, so professionell ihren Eltern, Geschwistern und Kollegen, als wären sie schon Schauspielprofis. "Und allen Kindern, die Lust zum Tanzen haben, wollen wir sagen: Gebt nie auf!", fügte Kulish hinzu.

In der Geschichte um einen Jungen aus einer armen nordenglischen Kohlearbeiterstadt, dessen Leidenschaft das Ballett ist, spielen die drei Jungen abwechselnd die Hauptrolle und bekamen dafür - erstmals in der Geschichte des Broadway - einen geteilten Preis. Auch Regisseur Daldry ("Der Vorleser"), dessen gleichnamiger Film damals für drei Oscars nominiert war sowie Autor Lee Hall und Choreograf Peter Darling wurden geehrt.

Sänger Elton John ("Candle in the Wind") musste für seine Musik zwar auf eine eigene Auszeichnung verzichten, nahm aber gemeinsam mit den Produzenten eine Trophäe in Empfang. "Wir sind in einer schwierigen wirtschaftlichen Zeit hierher gekommen. Sie haben Ihren Geldbeutel und Ihre Herzen für uns geöffnet, und dafür lieben wir Sie", rief er dem Publikum zu.

Für den Broadway, die größte Theatermeile der Welt, war die vergangene Saison trotz Wirtschaftskrise die beste Spielzeit der Geschichte. Die insgesamt 43 Shows spülten einen Rekordumsatz von fast 950 Millionen Dollar (680 Millionen Euro) in die Kassen.

Mit der Auszeichnung von "Billy Elliot" und "Der Gott des Gemetzels" gingen die beiden Hauptpreise erstmals seit Gründung der Tonys 1947 an britische Importe - die zwei Stücke hatten auch schon in London für Aufsehen gesorgt.

Als bestes Revival eines Musicals wurde die Neuinszenierung des legendären Hippie-Stücks "Hair" geehrt, beste Neuauflage eines Theaterstücks wurde Alan Ayckbourns Komödie "Normans Eroberungen".

Bei den Schauspielpreisen setzte die Jury auf Erfahrung. Die 83-jährige Britin Angela Lansbury gewann für "Blithe Spirit" ihren fünften Tony, Oscar-Preisträger Geoffrey Rush, 58, wurde für seine Rolle als sterbender König in Ionescos Farce "Exit the King" ausgezeichnet. Der 69 Jahre alte US-Schauspieler Roger Robinson bekam den Preis für die Rassengeschichte "Joe Turner's Come and Gone", die kürzlich auch Präsident Barack Obama und seine Frau nach New York gelockt hatte. "Ich habe 46 Jahre gebraucht, um von dem Sitz da unten hier auf diese Bühne zu kommen", witzelte Robinson bei der Verleihung.

Die Tonys Awards werden seit 1947 von der US-Theatervereinigung in mehr als zwei Dutzend Kategorien für Musicals und Bühnenwerke vergeben. Sie bedeuten für das amerikanische Theater so viel wie die Oscars für den Film. Die bisher meisten Tonys gewann im Jahre 2001 mit zwölf Trophäen das Musical "Frühling für Hitler" von Mel Brooks.

bor/dpa