TV-Adoptionsdrama: Der Himmel über der Pampa - DER SPIEGEL
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TV-Adoptionsdrama Der Himmel über der Pampa

Endlich mal ein im Ausland gedrehter Fernsehfilm, der nicht den immer gleichen Schmonzes vor exotischer Kulisse plaziert: In "Durch Himmel und Hölle" stellt sich ein Ehepaar in Argentinien dem Thema Auslandsadoption - und den eigenen unerfüllten Sehnsüchten.
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Der deutsche Fernsehfilm reckt und streckt sich – und verharrt dabei doch meist nur gemütlich im Klischee. Sender, die auf sich halten, längen ihre Filme zurzeit gerne auf imposante zwei oder sogar drei Teile, und kein Winkel auf der Welt scheint zu abgelegen, als dass er nicht zum Handlungsort taugen würde. Doch egal ob der Filmtross nach Südafrika, Thailand oder Neuseeland zieht, letztendlich exportiert man immer nur die gleichen deutschen Erbauungsdramen vor die wechselnden exotischen Kulissen.

So gesehen stellt "Durch Himmel und Hölle" (heute, 20.15 Uhr, ZDF) – wenngleich als Melodram mit aufwühlenden Streichern und versöhnlichen Landschaftsbildern konzipiert – eine angenehme Ausnahme dar. Denn hier wird die deutsche Mittelstandssehnsucht mehr oder minder gekonnt an den Verhältnissen des bereisten Landes gebrochen. Die Sehnsucht ist der Traum von einem adoptierten Kind; das Land heißt Argentinien, wo sich dieser Traum durch kurze, oft dubiose Vermittlungswege schnell in die Wirklichkeit umsetzen lässt. Auf diese Weise wirft die TV-Produktion einige brennende Fragen auf, die bei den glanzvollen Auslandsadoptionsgeschichten der Angelina Jolies dieser Welt unbeantwortet bleiben.

Ideal-Paar in der Krise

Dabei ist "Durch Himmel und Hölle" (Regie: Matthias Tiefenbacher, Buch: Brigitte Blobel) komplett frei von diffamierenden Untertönen. Im Mittelpunkt steht ein ziemlich perfektes Paar, das durch den unerfüllten Kinderwunsch auf eine harte Probe gestellt wird. Rebecca (Natalia Wörner) arbeitet als Physiotherapeutin, Tom (Kai Wiesinger) als Chirurg. Am Anfang blicken die beiden vom Hamburger Michel und malen sich im Höhenrausch aus, wie sie die Stadt beruflich und privat erobern werden, welchen Job sie anstreben und wie viele Kinder sie in die Welt setzen wollen.

Es kommt alles anders: Der Chirurg muss sich nach einer tödlich verlaufenden OP vor Gericht verantworten, seine berufliche Laufbahn scheint erst mal beendet. Seine Frau hat eine Fehlgeburt; ihre dritte schon, weshalb sie darüber nachdenkt, ein Kind zu adoptieren.

Der erste Teil dreht sich um das Paar und ihre tragisch verketteten Krisensituationen: Wie er im Schmerz Zuflucht in einer Affäre sucht, wie sie sich obsessiv in die deutschen Adoptionsmühlen begibt – und wie eine Beamtin dem labil wirkenden Paar erst mal sämtliche Hoffnungen auf ein Kind zunichte macht. Psychologisch wird das alles nicht immer ganz schlüssig ausgeführt und in den gestelzten Off-Kommentaren macht das blöde Wort "Schicksal" die Runde. Gleichzeitig aber bleiben die Figuren auch in einem moralischen Schwebezustand, der für ein Melodram mit gesellschaftspolitischem Anspruch eher selten ist.

Moralische Schwebe

Egoismus oder Selbstlosigkeit? So genau lässt sich erst mal nicht sagen, was Rebecca und Tom für den zweiten Teil von "Durch Himmel und Hölle" nach Argentinien treibt, um dort ein Kind zu adoptieren. Aber es gehört eben auch zur vergleichsweise ambitionierten Erzählkonstruktion dieses Dramas, dass sich die Hauptfigur glaubhaft an den Zuständen im fremden Land abarbeiten muss, um sich selbst finden zu können.

Denn der deutsche Adoptionsvermittler vor Ort, der Anwalt Dr. Stein (Axel Milberg), macht einen zwielichtigen Eindruck. Die Polizei, so findet Rebecca bald heraus, schmiert er ebenso wie die regionalen Gerichte, und arme argentinische Frauen werden von ihm per Vertrag gezwungen, Babys auszutragen, um sie gleich nach der Geburt an reiche Europäer abzugeben. Der Adoptionskrimi, in den die nach dem Mutterglück strebende Deutsche hier verstrickt wird, kommt zwar über weite Strecken so fadenscheinig daher wie der Pepitahut des dubiosen Dr. Stein. Und die Synchronisation ist wirklich schräg; man spricht hier eine Art "Traumschiff"-Spanisch, es wird auch im hintersten Indio-Dorf in perfektem Deutsch mit scharfem Latino-S palavert.

Doch wie die junge Deutsche während einer langen abenteuerlichen Reise ins Innere des Landes erkennt, dass das eigene Glück vielleicht gar nicht in der mütterlichen Selbstverwirklichung liegt, ist klug und aufwühlend erzählt: Auf dem Trip begegnet Rebecca einem Reisereporter (Robert Seeliger), der einst als Baby selbst von Deutschen adoptiert wurde und nun auf der Suche nach seinen leiblichen Eltern ist. Mitten im argentinischen Nirgendwo kommt es zwischen der Möchtegernmutter und dem Entwurzelten zum Eklat. Er schmeißt sich wütend in den Schlamm, sie bepöbelt ihn aufs Herzlichste, am Ende frieren beide ganz unromantisch in der nächtlichen Pampa – und sind doch ein Stückchen mit sich selbst versöhnt.

Da ist das Melodram auf einmal zum veritablen Roadmovie geworden. Und der deutsche Fernsehfilm, der zurzeit generell in die Ferne schweift, ohne konkret etwas zu zeigen, produziert endlich mal mehr als die immer gleichen Touristik-Impressionen: Unter dem kalten Wüstenhimmel Argentiniens löst die Heldin doch glatt die mentalen Fesseln ihres deutschen Mittelstandsdaseins.


"Durch Himmel und Hölle". Dienstag, 20.15 Uhr, ZDF. Zweiter Teil: Mittwoch, 20.15 Uhr

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