TV-Comeback Friedman wird "Law and Order"-Mann
Berlin - Seit Tagen schon brodelte die Gerüchteküche. Am Donnerstag dann wurde es offiziell: Michel Friedman feiert ab dem Frühjahr 2004 sein Comeback auf der Mattscheibe - wenn auch nur für die zahlenden Gäste des Kanals Premiere. Per Pressemitteilung bestätigten Universal und die Berliner Medienagentur TV21, dass Friedman für die Serie "Law and Order" im Pay-TV-Kanal 13th Street eingekauft wurde. Ab Mitte März soll der gelernte Anwalt aus Frankfurt spektakuläre Kriminalfälle mit anderen Gästen diskutieren und kommentieren.
Mit der Verpflichtung des bekannten und nicht unumstrittenen Moderators Friedman ist Premiere für die neue Sendung ein echter Coup gelungen. Nun hofft der Sender, dass die Bugwelle des im letzten Jahr eher unangenehm aufgefallenen Juristen Friedman auch neue und vor allem zahlende Interessenten für die Crime-Serie bringt. In der in den USA bereits recht erfolgreichen Show werden Kriminalfälle und ihre Aufarbeitung teils mit realen, teils mit nachgestellten Bildern dargestellt.
Fälle, die Menschen bewegen
Friedman soll im Anschluss an die Sendung die gezeigten Fälle noch einmal bewerten oder mit Beteiligten und anderen Gästen diskutieren. Premiere schrieb in einer Mitteilung, es seien Gesprächsrunden zu Themen geplant, "die nicht nur bei "Law & Order" relevant waren, sondern auch in Deutschland die Menschen bewegen". Friedman selber teilte schriftlich mit, dass ihn die " informative Herausforderung" sowohl "journalistisch als auch anwaltschaftlich" reize.
Mit der Bestätigung des neuen Jobs scheint Friedmans Comeback nun perfekt zu sein. Nach seiner Kokain- und Prostituiertenaffäre Mitte 2003 war der Moderator von allen Ämtern zurückgetreten und hatte sich zeitweise aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Damals waren durch ein Ermittlungsverfahren gegen Menschenhändler aus der Ukraine sowohl Friedmans regelmäßige Treffen mit Prostituierten in Berliner Nobel-Hotels als auch sein Kokain-Konsum öffentlich geworden.
Die Vorwürfe gegen Friedman zierten tagelang die Gazetten. Später wurden dann noch Vorwürfe gegen die Ermittler laut, da diese die pikanten Details über Friedmans Vorlieben oder seinen Tarn-Namen "Paolo Pinkel" gezielt an die Presse gespielt hätten. Einige Zeitungen verstiegen sich gar in Verschwörungstheorien, Friedman sei das Opfer schwelendem Antisemitismus innerhalb der Berliner Staatsanwaltschaft. Am Ende der spektakulären Affäre gestand Friedman seine Schuld ein und zahlte rund 17.000 Euro Strafe. Anschließend entschuldigte er sich öffentlich und perfekt inszeniert für seine Verfehlungen.
Nach der Entschuldigungen tauchte Friedman erst mal ab. Die Ruhe um ihn war jedoch nur gespielt. Gemeinsam mit Freunden aus der Medienbranche arbeitete er insgeheim schon lange und intensiv an seiner Rückkehr. Ende vergangenen Jahres dann trat er erstmals wieder aufs Berliner Society-Parkett, als die Filmproduzentin eine exklusive Party in ihrer Villa für ihn schmiss und reichlich Prominenz aus Show, Medien und Politik anrauschte.
Sabine Christiansen half Friedman
Das Comeback des Michel Friedman war gut geplant. Und so dürfte es auch kein Zufall sein, dass ausgerechnet die Produktionsfirma seiner Vertrauten Sabine Christiansen an der neuen Show bei Premiere beteiligt ist. Christiansen hatte Friedman bereits Ende 2003 in ihre sonntägliche Show eingeladen. Andere vorsichtige Schritte waren eine Kolumne in der bunten Monats-Gazette "Max" oder ein Auftritt in einer Spätabend-Talkshow.
Wirtschaftlich musste sich Friedman jedoch auch nach seinem Absturz zu keiner Zeit Sorgen machen. Durch seine Kanzlei in Frankfurt war er stets finanziell abgesichert. Im Herbst ergatterte er zudem einen lukrativen Aufsichtsratposten bei der Berliner Toiletten-Firma "Wall" und kurz darauf einen weiteren Posten als Herausgeber beim renommierten Aufbau-Verlag, wo er eine politische Buchreihe betreut. Ebenso glücklich schien in letzter Zeit auch die private Resozialisierung abzulaufen. In mehreren Interviews bekannte sich Friedmans Freundin Bärbel Schäfer zu ihm und verzieh ihm seine Eskapaden.
"Zynisch und unakzeptabel"
Friedmans Comeback-Plan bei Premiere stößt prompt auf Empörung im ehemaligen CDU-Landesverband des TV-Talkers. Der medienpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Wiesbaden, Volker Hoff, meinte am Donnerstag: Die Verpflichtung Friedmans für die Crime-Show "wäre an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten." Hoff wies darauf hin, dass erst vor wenige Monaten Friedmans "Verbindungen ins Milieu von Koksern und illegalem Menschenhandel" bekannt geworden seien. Es sei "zynisch und unakzeptabel", ihn als Moderator von "Law And Order" einzusetzen.
Hoff forderte den Sender auf, von den Plänen Abstand zu nehmen: "Eine Verpflichtung des vorbestraften Friedman ausgerechnet für eine Krimiserie wäre ein völlig falsches Signal vor allem auch an junge Fernsehzuschauer".