TV-Mehrteiler: Affäre Wedel-Flop - DER SPIEGEL
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TV-Mehrteiler Affäre Wedel-Flop

Dieter Wedels starbesetzter TV-Sechsteiler "Die Affäre Semmeling" kommt auch nach der dritten Folge nicht aus dem Quotentief heraus. Beim ZDF schwankt man zwischen Zweckoptimismus und drohenden Konsequenzen.
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Hamburg - Es ist eine ernüchternde Zwischenbilanz für die ebenso teure wie renommierträchtige "Affäre Semmeling": Auch die dritte Folge der sechsteiligen Familien-Saga des Regisseurs Dieter Wedel blieb am Montagabend im ZDF mit 5,65 Millionen (17,2 Prozent Marktanteil) deutlich hinter den Erwartungen des Senders und der Resonanz der Auftakt-Episode, bei der vergangene Woche noch 7,47 Millionen zuschauten, zurück. In Mainz denkt man bereits an erste Konsequenzen: Fernsehspielchef Hans Janke sagte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", er glaube nicht, "dass das nächste Wedel-Projekt beim ZDF wieder ein Sechsteiler sein wird".

Immerhin konnten sich Wedels Semmelings am Montagabend - bei allerdings schwacher Konkurrenz - vom Quoteneinbruch am vergangenen Freitag (4,73 Millionen) erholen. Beim ZDF hofft man nun, dass die wieder hinzugekommenen Zuschauer auch bei der zweiten Halbzeit der knapp 14 Millionen Euro (27,3 Millionen Mark) teuren Produktion treu bleiben. "Die Kraft der Geschichte wird die Zuschauer wieder in den Bann ziehen", hofft ZDF-Sprecher Walter Kehr.

Dass Wedel mit dem wohl aufwendigsten Projekt der ZDF-Geschichte nahtlos an seine früheren Publikumserfolgen anknüpft, ist jedoch schon jetzt unmöglich. "Der große Bellheim" hatte als Vierteiler 1993 im ZDF im Schnitt 9,4 Millionen erzielt, beim fünfteiligen "Schattenmann" - ebenfalls im ZDF - waren es knapp 6,8 Millionen gewesen. Sat.1 freute sich 1998 beim sechsteiligen "König von St. Pauli" über durchschnittlich 9,0 Millionen Zuschauer.

Beim ZDF verweist man nun darauf, dass das Marktumfeld im Fernsehen angesichts der verschärften Konkurrenz für Großprojekte wie das von Wedel immer schwieriger werde. Eine so große Resonanz wie vor zehn Jahren beim "großen Bellheim" könne einfach nicht mehr erzielt werden, so Kehr. Auch die in den Medien verbreitete Meinung, die Zuschauer könnten Wedels altbekanntes und erprobtes Ensemble (Hoenig, Atzorn, Adorf, Lauterbach, Stefan Kurt und Maja Maranow) schlicht nicht mehr sehen, lässt man in Mainz nicht gelten. Die Rollen seien durchweg hervorragend besetzt, sagt Kehr.

So übt man sich in Zweckoptimismus und steht in Treue fest zu Dieter Wedel, mit dem man, so ZDF-Vizechef Janke, auch bei einem Flop der "Semmelings" weiter zusammenarbeiten will. Zur Debatte stehe bereits eine Geschichte über die Machenschaften der Pharma-Industrie.

Und Wedel selbst? Der Regisseur gibt sich am Boden zerstört ("So einen Absturz habe ich noch nie erlebt" gestand er der "Bild"-Zeitung) und räumt durchaus Fehler ein. "Ich habe mit dem ersten Teil das Publikum wohl überstrapaziert", sagte Wedel der "Bild am Sonntag". "Ich habe versäumt klarzumachen, dass die Geschichte emotionaler wird."